Arrow
Arrow
Slider

Bohrer, Angstschweiß und weiße Kittel – Mission Selbstsicherheit

Unter meinem Zara Mantel klopft mein Herz, noch ein letztes Mal versuche ich ein paar Sekunden zu gewinnen, indem ich meine Haare Bürste. Ein schneller Blick auf das Display meines Handys : Ok, ich muss jetzt aber wirklich los.

Die U-Bahn fährt ein und selbst das hektische Piepen der Wagon Türen kann nicht mehr mit dem Takt meines Herzens mithalten. Tief durchatmen. Du machst das schon.

Ich steige die Bahnsteigkante empor, heute trage ich „zur Feier des Tages“ meine neuen Schuhe, doch auch das mindert nicht wirklich meine Aufregung. Mich empfängt stickige, warme Luft und eine sich aneinander drängende Menschenmasse.. Aber stehen? Jetzt in dieser Situation? Niemals – alleine mein innerlicher Kampf raubt mir zu viel Kraft also dränge ich mich durch und lasse mich neben zwei alten Damen nieder.

Die beiden scheinen in einem Gespräch gewesen zu sein und als wir Hauptbahnhof Süd erreichen verabschieden sie sich herzlichen und wünschen sich erfreut „alles Gute“ – Das könnte ich jetzt auch gebrauchen.

Mein Magen rumort und ich weiß nicht ob es Hunger oder einfach nur Unsicherheit ist. Wobei essen ja nun nicht mehr geht nachdem ich mir bereits 3 mal die Zähne geputzt habe. Vielleicht hätte ich sie doch noch ein viertes Mal putzen sollen.

Ich verlasse die Bahn mein Schritt ist wie gewohnt bestimmt und zügig dennoch überlege ich, ob es nicht besser gewesen wäre den Termin zu verschieben. Ich meine, ich muss noch packen, meine Spülmaschine ausräumen und wollte zum Sport. Dem Zahnarzt kann ich auch noch nächste Woche besuchen. Zur Not die Woche darauf da findet sich schon ein Termin schließlich läuft er ja nicht weg.

Nichts da. Entlang der Speicherstadt beginne ich, mit mir in der dritten Person zu sprechen. Als stünde ich neben mir, ein wenig wie meine Mama, die mir die Hand hält.

Karo, du schaffst das schon – wiederhole ich mehrfach hintereinander mit der Hoffnung, durch diese 4 Worte die Aufregung „Wegzureden“.

Ich betrete die Praxis. Ein wirklich hübsches Wartezimmer. Ich erspähe eine Fit4Fun, doch ich mir steht jetzt nicht der Sinn nach Happy Healthy Life.

 

Frau Pilz bitte

(…)

Nun sitze ich gleich um die Ecke in einem hübschen Café und trockne mit einem großen Kaffee. Ein heftiger Regen hat die Hafencity erfasst und auch der Angstschweiß welchen ich nun zwischen Rücken und meinem Zara Jäckchens verspürte schwindet nach und nach.

Das war ja mal was. Nette Ärztin, tolle Praxis und eine erleichterte Karolin. Ich hatte es geschafft. Ich hatte mich endlich,endlich darauf eingelassen, eine Sache, die ich seit Monaten Aufschub anzugehen.

Mich der Sache zu stellen 

In einem Artikel hatte ich vor einiger Zeit gelesen, wie wichtig es ist, sich immer wieder Dingen zu stellen, die Angst bereiten. Unangenehmes aufschieben – das macht jeder von uns. Und damit verlieren wir kostbare Zeit, denn flüchten und aufschieben

  • kostet Zeit, die man anderweitig, nachhaltig investieren sollte
  • kostet Energie, denn man kreist mit den Gedanken immer wieder in der „Aufschiebenschublade“
  • verursacht nachhaltige gesundheitliche Schäden, wie zum Beispiel ein Arztbesuch

Meinen Zahnarzt Besuch habe ich ebenso aufgeschoben. Monatelang. Ich wusste ganz genau, dass er ansteht, dennoch habe ich mir immer wieder gesagt: erst mal mache ich dies und das und dann, irgendwann, mache ich einen Termin.

Doch manchmal muss man sich nicht nur mit Situationen, sondern auch mit sich selber auseinandersetzen. Um meine Angst mit dem Zahnarzttermin eigenständig zu bewältigen habe ich:

  • mir eine schöne, moderne Praxis ausgesucht, die mir bereits optisch gefallen hat
  • den Termin für die Behandlung bereits in allen möglichen Kalendern notiert. Mit bunten, positiven Farben
  • so verrückt es klingt: mich in der 3. Person betrachtet: Meinen Körper mit all der Nervosität und allem sein lassen und mir „von außen“ Mut zugesprochen. Mir meine Hände gehalten und immer wieder laut ausgesprochen: Karo, du schaffst das schon.
  • meine Ängste ausgesprochen und zwar unmittelbar im Behandlungszimmer. Kein Vertuschen, sondern meine Gefühlslage gleich gegenüber meiner Ärztin geäußert. Somit begann die Behandlung gleich offen, ehrlich und deutlich entspannter.

Ohne Zahnstein dafür mit voller Elan habe ich also schon gleich nächste Woche einen neuen Termin. Bis dahin fahre ich nun erst mal zur Drogerie und belohne mich mit einer neuen Zahncreme, Zahnseide, Zahnbürste und was man eben Alles so Neues (eigentlich nicht) braucht.

Ich war stolz und das musste gefeiert werden. Ein dm Beauty Shopping war genau die richtige Vorgehensweise.

2 Replies to “Bohrer, Angstschweiß und weiße Kittel – Mission Selbstsicherheit”

  1. Offenheit mit sich selber und mit anderen ist ein wichtiger Teil dessen, eine Selbstsicherheit aufzubauen, denn das ist in der Regel auch mit Reflektieren verbunden – über sich selbst, seine Unsicherheiten, seine Mitmenschen, aber auch die Ursache des Ganzen. Es ist ein großer Schritt, seine Unsicherheiten zu überwinden, und leider versteht das auch nicht jeder. Umso wichtiger, offen darüber zu reden oder schreiben!
    Und nach der Überwindung ist eine Belohnung auf jeden Fall angebracht! Weiter so!

    1. Karolin Pilz sagt:

      Liebe Janine,
      liebes Nature Love Team,

      herzlichen Dank für die so wunderschönen Zeilen und das Mitteilen deiner Empfindungen. Es ist toll zu lesen, dass auch du solche Eindrücke und Emotionen verspürst. Auch ich denke, dass dieses Überwinden ganz neue Horizonte ermöglicht und uns vor allem etwas ganz besonders positives bringt: Weiterkommen und Veränderung.

      Liebe Grüße an dich – deine Karolin

Kommentare sind geschlossen.