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Eine Reise zu und mit mir selbst

Als die abendliche Sonne über Fuerteventura durch das Fenster meiner Sitzreihe lichtete, nahm ich meine weiße Uhr vom Handgelenk, welches durch die Sonne bereits tiefbraun war und dem goldenen Armband noch mehr Glanz und Schönheit verlieh. Mit einem zufriedenen Lächeln stellte ich meine Uhr bereits auf die Uhrzeit meiner Heimat ein. Hamburg – Das Flugzeug drehte ab und unter mir brachen die Wellen.

Ich bin gelassen, ausgeglichen, bereit, in der bald eintretenden Dunkelheit das Flugzeug zu verlassen und mit neuen Gedanken anzukommen.

10 Tage ICH Zeit – keine Termine, keine Absprachen. Nur ein Versprechen : mit und zu mir selbst. Als das letzte Meerwasser heute früh auf meiner Haut trocknete, wusste ich, dass ich kein neuer Mensch geworden war. Doch so wie der Sand der schaumigen Wellen sind meine Gedanken, Empfindungen und Emotionen neu gemischt worden.

Nach unzähligen Sonnenaufgängen erfüllte mich jeder Tag mehr mit einer Art Besonnenheit. Die Haut unter meinem rosa farbenden Pullover war noch immer warm und jetzt als ich einen tiefen Atemzug nahm, roch noch ich meine Creme. Ein Vertrauter Geruch der mich noch mehr dem Moment entgegen fiebern ließ, endlich meine Haustüre aufzuschließen und all diese wundersamen Dinge, die ich nun in mir trug auf meinem Bett, sowie an meinen Wänden auszuschütten und mein Leben von nun an mit neuen Farben zu bemalen.

 

4 Stunden Flugzeit – 14400 Sekunden, um hier und jetzt in diesem Moment Gedanken Wollknäuele zu Mustern zu legen und letztlich zu sehen, was ich mir selbst mit dieser ausfegendem Reise Geschenkt habe:

Unzählige Atemzüge im Augenblick

Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, schon gleich am ersten Tag meine Bücher zu lesen. Doch bereits am 3. Tag bemerkte ich: ich wollte einfach nur sein. Nicht mal meine Augen konnte ich geschlossen halten, so sehr wollte ich – ohne danach von mir selbst zu fordern – beobachten, das Meer sehen und die Sonne auf meiner Haut spüren. Ohne Sorgen, ohne Gedanken. Ohne das Auseinanderbauen von Gedankenkonstruktionen und das ewige Grübeln von Eventualitäten. Es war, als hätte ich mich selbst an die Hand genommen.

Achtsamkeit und die damit verbundene Gelassenheit waren wie ein Nährboden. Ich lebte von Atemzügen im Augenblick und nichts konnte mich davon abhalten. Zeit, Freiheit, Raum, Gelassenheit – ich ließ es einfach zu, denn ich wusste, dass ich so schon bald noch klarer meine innere Stimme und meine tiefen Bedürfnisse hören könnte.

Gespräche mit Menschen neuer Altersstrukturen

Dadurch, dass ich ganz alleine gereist bin, bin ich während meiner verschiedenen Etappen wieder mit neuen Menschen in Kontakt gekommen, die ich sonst wohlmöglich „übersehen“ hätte. Dies begann am Flughafen während dem Boarding und manifestierte sich dann ausschlaggebend während meinem Aufenthalt in der Urlaubsanlage.

Durch meine Atemzüge in den Augenblicken war ich innerlich frei – frei für mich selbst und neue Eindrücke.

Ein Beispiel: Zu jeder Mahlzeit gab es ausschließlich Familien Tische – somit wechselten sich jeden Tag die Gesprächspartner. Meine Austauschmöglichkeiten schienen unendlich. Einen Abend lang führte ich Gespräche mit einem alleinerziehenden Vater, an einem anderen Wiederrum saß ich plötzlich inmitten 6 Kinder an einem Familientisch und wurde von 12 riesigen Augen angesehen, als ich meine YouTube Kamera auspackte.

Auch am Pool schien es, als ziehe diese innerliche Freiheit stets Gespräche an. Ein Ehepaar im Alter meiner Eltern gesellte sich immer wieder zu mir und wir wurden letztlich : Freunde.

Was das Ganze so besonders machte: ich konnte über viele Themen mit ganz neuen Ansatzpunkten mit den „neuen“ Gesprächspartner sprechen. Ähnliche Gesprächsthemen und immer wieder neue Ansätze, diese auszuweiten. Ich erhielt Rat, Gemeinsamkeiten, neue Einsichten in Business und eine Menge wunderschöner Beobachtungen von Kindergesprächen. Es war ein nahezu perfekter Mix aus fantasierenden Tagträumereien, ernsten Zukunftsgesprächen und regen Austauschen aus dem eigenen Hier & Jetzt. Die veränderten Altersstrukturen gaben mir in einigen Punkten zu denken, in anderen nahmen sie mir ehemalige Zweifel und schenkten mir Mut und nicht zuletzt: Kraft.

Zelebrieren meines geistigen zu Hause : meinem Körper

Während meinem Aufenthalt im Club durfte ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Lomi Lomi Massage testen. Eine traditionelle hawaiianische Massage, die kreiert wurde, um sich noch während der regelrechten Salbung des Körpers etwas zu wünschen, was danach in Erfüllung gehen sollte. Die Lomi Lomi Massage löst durch das Kneten, Massieren und teilweise Dehnen mit heißen Ölen und tropischen Düften tiefe Verspannungen. Sie ist dazu da, um loszulassen und Platz für Neues zu kreieren und: auf Neuanfänge im Leben vorzubereiten. (Ich musste lächeln, als ich dies in den ersten Minuten der Massage erfuhr)

Noch während der Massage, schob ich alle negativen vielmehr störenden Gedanken bei Seite (Hier liest du wie ich es mache) und konzentrierte mich auf meinen Körper, welcher von der Masseurin mit warmen Ölen regelrecht von Kopf bis Fuß, vom kleinen Finger bis hin zum kleinen Zeh massiert wurde. Es war wie ein Zelebrieren jedes Zentimeters meiner Haut, meines Körpers. Wärme erfüllte mich durch und durch und ich bemerkte, jetzt, als ich voll und ganz im hier und jetzt war, wie sehr mein Körper diese Wertschätzung genoss. Nach den Augenblicken von Gelassenheit und Achtsamkeit war ich noch mehr mit mir selbst verbunden.

Wie oft hatte ich mich im Spiegel gesehen, kritisiert oder für nicht „genug“ empfunden. Noch als ich das warme Öl von meinem Körper wusch, war ich mit meinen Gedanken und meinem Körper eins. Es fühlte sich gut an und ich beschloss, dieses Gefühl von Stimmigkeit mitzunehmen. PS: wie ich Glücksmomente festhalte und aus dem Augenblick mitnehme: kannst du hier nachlesen

Um meinem Körper auch nach meiner Massage meine Wertschätzung zu zeugen, nährte ich ihn. Neben Zeit, Sonne, Wärme und Sein mit bunten Obsttellern, viel Wasser, Gemüse, Nüssen … ich fühlte mich vollkommen.

 

 

Auseinandersetzung mit inneren Druckpunkten

 

Noch bis ich in mein Hotelzimmer eincheckte, zogen immer wieder Geschehen aus der Heimat Hamburg an meinen Nerven und lenkten mich insbesondere in den vergangenen Wochen so sehr ab, dass ein Großteil der eigenen Energie ungenutzt verschwand. Die ständigen Gedankenkreise laugten aus, machten müde und träge.

Als ich auf Fuerteventura dann meine Füße im Sand vergrub, blickte ich über Seite 84 hinüber zum Meer und plötzlich spürte ich: ich war nicht nur knapp 3000 Kilometer von zu Hause entfernt, sondern genau so weit weg von diesen Druckpunkten, die mich immer wieder einholten. Die Gelassenheit aus meinen achtsamen Momenten ließ mich weit über den sonst so zehrenden Dingen stehen, ohne dass ich mich dafür verbiegen musste. Ich war entspannt, ruhig und völlig wertfrei. Keine negativen Empfindungen. Nichts stand mehr zwischen mir, sondern ich konnte diese mich ehemals belastenden Sachen wie Bausteine von mir wegschieben, ohne dass ich Schmerz oder Trauer empfand, denn ich wärmte mich regelrecht selbst durch die Nähe zu mir.

 

Stille Beobachtungen zwischenmenschlicher Beziehungen

Während meiner Tage voller Achtsamkeit füllte ich diese mit einigen Beobachtungen zwischenmenschlicher Beziehungen. Ich verfolgte Mimiken, Gesprächsthemen, Rituale von Ehepaaren und andere ausschlaggebende Momente, die sonst so ungesehen bleiben. Es ging mir nicht darum, in das Leben der Anderen einzutauchen. Sondern anhand meiner Beobachtungen mein eigenes Handeln und Denken zu überdenken. Die Art, wie Familien oder Paare miteinander umgingen regte mich immer wieder dazu an, konstruktiv nachzudenken. Über eigene Verhaltensweisen und persönliche Erfahrungen. Aus jeder Beobachtung nahm ich neue Erkenntnisse mit, welche ich fortan in meinen Wertungen und Handlungen einfließen lassen wollte. Neue Ansatzpunkte, neue Ideen, neues Verständnis – für mich und Andere.

 

 

Da war ich also wieder, zurück in meinem zu Hause und während meinem ersten Lauf, beobachte ich die tausenden Blätter, welche sich während meiner Abwesenheit in wunderschöne Farben gefärbt haben. Sie haben sich verändert. Ich mich auch? Das Rauschen der letzten, noch bunten Baumkronen ist nicht zu vergleichen mit dem so geliebten Geräusch der wehenden Palmenblätter und dennoch finde ich es schön. Trotz Regen lächle ich und sehe die Sonne hinter den dunklen Wolken, welche mich noch vor wenigen Tagen mit dem Meereswind gewärmt hat. Eine Sehnsucht, doch ich weiß, sie ist positiv. Ich werde zurückkehren. Eines Tages. Innere Gelassenheit…

Ja, manche Dinge sind beständig – doch ändert sich ihre Erscheinung immer wieder durch Wahrnehmungen, Gefühle, Emotionen. Ich weiß, auch ich in meiner Art zu denken, zu empfinden und mich selber anzunehmen bin beständig, doch diese Reise, welcher jeder von uns macht, ändert immer wieder ihre Farben, Wege und Möglichkeiten. Und ja, trotz herabfallender Blätter und dem Loslassen von ehemaligen Gedanken sehe ich aus neuen Blickwinkeln und bin … glücklich.

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