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Halte dich fest │ Der Flow des eigenen Gleichgewichtes

Ich stieg aus der Bahn aus und als ich die Stufen des Bahn Schachtes erklommen hatte, war er wieder da: der Drang meine Gedanken, welche ich aus der Fahrt in dem gelb erleuchteten Ubahn Abteil mit mir verborgen unter meinem neuen Mantel mitnahm, zu ordnen. Niederzuschreiben und das Chaos in meinem Kopf in etwas Greifbares, Reales und zugleich Fühlbares zu wandeln. Zwischen der ratternden Rolltreppe und dem kleinen Kiosk, den ich zuvor hier noch nie bemerkt hatte, blieb ich stehen, lehnte mich an die kalten Fliesenwände der Station und ließ meine Gedanken über meine Finge entweichen:

Ich glaube, so mit das Wichtigste, was man finden sollte oder möchte – noch weit vor „glücklich sein“ ist der Moment, in dem eigene Gedanken und Gefühle mit dem Ich, dem eigenen Körper, verbunden sind.

Wie soll der eigene Körper in sich selbst stimmig und zugleich ruhend sein, wenn die Gedanken in ihm stets wild hin und her schießen und wilde Explosionen verursachen ?

Manchmal, da wird man von regelrechten Krater erfasst. Der Aufprall und die daraus entstehenden Wellen sorgen für ein undefinierbares Gemisch aus Emotionen. Enttäuschung,  Freude, Gemeinschaft, Einsamkeit.

Alles auf einmal und doch jeweils so komprimiert.

Nicht nur meine Gedanken und Mimik waren ein Durcheinander, das händeringend nach Ordnung suchte, sondern auch meine Hülle, mein Körper. Es gibt verschiedene „Hilfsmittel“, mit denen man versucht und erhofft Ordnung zu schaffen: Essen, Süßigkeiten, extremer Sport – und dann flüchtet man mit der Hoffnung in einem luftleeren Raum anzukommen, entspannen zu können von den vielen Gedankenknäulen, die sich im Kopf und Körper gebildet haben und übel aufstoßen. Dann trainiert man, oder man isst oder was auch immer und hofft, ja man hofft so sehr, den Schmerz, welchen man durch Enttäuschung, Probleme pulsierend in sich spürt, betäuben zu können. Schwerelosigkeit – weder Raum noch Zeit, noch diese ewig langen, dunklen Gedankengänge, die zu nichts führen.

Man entwickelt Ausflüchte, die das vermeintliche Ungleichgewicht zwischen dem inneren und äußeren Ich erträglicher machen sollen.

In einer Holzkiste neben den Tageszeitungen des Kiosk lag unter anderem eine Tüte Gummibärchen. Jeder kennt sie, diese alltäglichen Gegenstände, die dich trotz ihrer scheinbaren Unbedeutsamkeit in solchen Phasen immer wieder einholen, an Straßenecken, mein Blick aus der UBahn oder auf Seite 5 des Lieblingsmagazins. Und dann pulsiert das innere Gleichgewicht gleich nochmal mehr und eine Art Schwindel erfasst das Augenlicht.

Ich verließ diesen eigentlich so ungemütlichen und schmutzigen Ort und nahm den Ausgang zur hell erleuchteten Speicherstadt. Es gibt so viele Momente und Lebenserfahrungen, die es uns erschweren, diese Verbindungsstelle zwischen Körper und Gefühlswelt zu nähren und zu stärken und dennoch ist dieser unsichtbare Ort so ausschlaggebend und wichtig.

Unsere Verbindungsstelle, die uns in unseren Gedanken und zugleich unseren Körper zusammenhält und von Innen heraus stärkt, ist essenziell.

Ihr Ankerpunkt braucht Pflege, Aufmerksamkeit, Licht und Zugleich Schutz, denn ohne sie geraten wir in schwierigen Situationen ins Wanken, wir verlieren den Kopf, das Gefühl – manchmal auch uns selbst. Und dann flüchten wir, obwohl wir doch ganz nah bei uns selbst sein wollen.

Unser Flow gerät ins Schleudern und wirft uns manchmal komplett aus der Bahn. Wir flüchten in Süchte, die sich in Sportsucht oder Essstörungen oder anderen Verhaltenweisen äußern – und all´ das nur, um ein Gefühl der Schwerelosigkeit zu finden, welches uns den Schmerz, welcher der Riss in der Verbindungsstelle ausübt, zu vergessen. Doch die dadurch entstehenden Narben sind oft schmerzvoller als der so kurze Moment der möglichen Schwerelosigkeit.

Ganz schön schwierig diese Verbindungsstelle zwischen dem eigenen Ich und dem eigenen Körper aufrecht und konstant zu erhalten. Dabei würde Kontinuität ja zu Stillstand führen und das wiederum verhindert Veränderung und Wachstum.

Ich glaube, aus dieser beschriebenen Verbindungsstelle heraus entsteht der sogenannte eigene Flow mit dem man dann in die Welt hinaus geht. An manchen Tagen voller Tatendrang, an anderen Tagen trotz luftiger Jacke bepackt mit tausenden Gedanken, die man bei einem heißen Bad ertrinken möchte. Es geht nicht darum, stets die Kontrolle zu bewahren. Kontrolle über Emotionen und das Erscheinungsbild des eigenen Körpers. In der vergangenen Woche hatte ich erkannt, wie wichtig es ist, sich von Zeit zu Zeit intensiv mit sich selbst auseinander zu setzten. Nicht wegzulaufen und dieses schwarze Loch wegzudenken.

Sich sich selbst stellen

In gedanklichen Monologen, in Gesprächen mit Freunden. In Erinnerungen aber auch Zukunftsträumen. Nicht zu flüchten, in Dinge, die den Schmerz oder die Unruhe für kurze Zeit betäuben, sondern die Schwelle zu überwinden, die Erfahrung zu machen, dass dahinter neuer Wachstum wartet. Natürlich hilft Sport, in meinem Fall das Laufen, den eigenen Flow wie einen entflohenen Luftballon an der Halteschnur wieder einzufangen und festzubinden. Doch ausschlaggebend ist immer der Ankerpunkt, an welchem ich meinen Luftballon festbinde.

In der neuen Woche möchte ich:

  • ein Kleines Glück Tagebuch führen und täglich zwei Aspekte notieren, die mich glücklich gemacht haben. Ich bin gespannt, was mich am Ende der Woche schmunzeln lässt.
  • meine Verbindungsstelle intensiv von innen heraus stärken. Jeden Morgen gibt es einen frischen Zitronen Ingwer Shot
  • einen neuen Laufrekord aufstellen
  • negative Dinge wahrnehmen und sie zugleich akzeptieren mit den Gedanken: Auch das wird vorüber gehen
  • egal wann wie wo und warum Tränen lachen
  • mir Abends vor dem Schlafen gehen sagen: ich bin stolz auf dich
  • Dinge, die den eigenen Flow durcheinanderbringen aufschreiben, analysieren und anstatt zu eliminieren lernen damit umzugehen

 

4 Replies to “Halte dich fest │ Der Flow des eigenen Gleichgewichtes”

  1. Liebe Karolin,

    erst einmal möchte ich dir danken, für deine ganz vielen wertvollen Anregungen die du mir per Social Media jede Woche schenkst. Auch ein ganz großes Kompliment an das ganze Layout und wie du die Seiten sowie den Inhalt aufbereiten hast. Einfach nur TOLL!

    Im Moment mache ich eine nicht leichte Zeit durch, da es mir gesundheitlich nicht so gut geht. Jedoch sind mir nun die Gründe bewusster geworden und zukünftig werde ich mehr auf meinen Körpersignale hören. Auch Demut und Dankbarkeit nehme ich mehr wahr was meine innere Haltung auch verändert hat. Vieles ist mir die letzte Wochen durch den Kopf gegangen und an einigen Stellschrauben werde ich definitiv Veränderungen vornehmen.

    Dein neuer Beitrag hat mich dazu veranlasst auch noch einmal über meine Ankerpunkte und Verbindungsstellen nachzudenken. Meine Beziehung ist auf jeden Fall der feste Ankerplatz meines Lebens. Gerade jetzt wo die Wellen wieder so hoch waren wird mir bewusst, dass es nichts wichtigeres auf der Welt gibt als einen Menschen der einen liebt und Geborgenheit und Sicherheit schenkt. Dafür bin ich sehr dankbar und werde bewusster und dankbarer umgehen.
    Andere Verbindungsstellen müssen überdacht werden wie Freunde. Ich möchte wieder mehr Zeit mit Freunden verbringen, gute Gespräche führen und gemeinsam neue und verrückte Dinge unternehmen. So, das sind gerade meine Gedanken .. 🙂 In dieser Woche möchte ich:

    – Besser mit mir selbst umgehen
    – Auch.. mir selbst sagen „Du kannst stolz auf dich sein“
    – Mir ein Visibility Board erstellen mit meinen neunen 10 Lebensinhalten
    – Eine neue Yogaroutine erstellen und anfangen zu praktizieren.

    Ich wünsche dir einen richtig guten Wochenstart.
    Ganz liebe Grüße aus Unterfranken

    Peter (sport_stutzi)

    1. Lieber Peter,

      also erst mal: herzlichen Dank für dein so liebes und durchweg positives Feedback zu den „Social Media“ Tätigkeiten und meinem Blog. Solche Rückmeldungen geben mir unwahrscheinlich viel Kraft und Mut an dem, was ich hier versuche mit Texten und Bildern weiterzugeben, festzuhalten und es weiterhin als Inspiration für dich und alle anderen Betrachter und Leser greifbar zu machen.

      Dass du durch meinen Beitrag über deine eigenen Ankerpunkte nochmal nachgedacht hast und dir neuen Aspekten bewusst geworden bist freut mich sehr und ich denke auch in deiner aktuellen Situation, die nicht einfach zu sein scheint, wird dir der Denkanstoß und die Veränderung aus eigenen Stücken gut tun.

      Deine neuen Vorhaben für die Woche klingen einfach klasse und du hast mich damit sehr begeistert, so dass ich wahrhaftig darüber nachdenke diese Woche auch mal mit Meditation zu beginnen. Danke dafür.

      Danke auch für deinen stetigen Support und deine Unterstützung … ich bin darüber sehr glücklich!

      Alles Liebe aus Hamburg

      Karolin

  2. Hey liebe Karolin!
    Ich muss dir auch hier nochmal ein großes Lob für deinen tollen Schreibstil aussprechen!
    Deine Arbeit auf deinem Blog und natürlich auch auf Instagram, gefällt mir außergewöhnlich gut!

    Wünsche dir noch eine wunderschöne Woche!
    Bernd – styleandfitness.de

    1. Hey lieber Bernd,

      ich bin grade ganz sprachlos – Herzlichen Dank für dein Kompliment! Ich freue mich unheimlich darüber und habe dadurch neuen Mut und Motivation.

      Alles Liebe

      Karolin

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