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Mein Trainingsbeginn – Teil 1

E R S T E   S C H R I T T E

Meine ersten Tage im Fitness Studio waren von Unsicherheit und Scharm geprägt. Zurückhaltend lächelte ich in die Kamera, welche grade das Bild für meine Mitgliedskarte schoss. Ich hatte das Gefühl, dass sich sobald ich das Studio betrat auf meiner Stirn regelrecht stand :

„Ich bin neu hier, total unsicher und habe absolut keine Ahnung, was ich hier grade tue.“

Ich fühlte mich wirklich nicht sehr wohl, beobachtet, angestarrt und war zunächst völlig ahnungslos im Fitnessgeräte- und Eisendschungel. Allerdings traute ich mich auch nicht jemanden zu fragen und schon gar nicht die Jungs im Freihaltenbereich ! Das war sowieso die schlimmste Zone von allen, die ich eigentlich nicht betreten wollte. Eine weibliche Ansprechpartnerin – Fehlanzeige! Ich musste mir die Informationen also auf einem anderen Wege besorgen.

D A S  V O R B I L D

Ich habe also nicht nur angefangen Sport zu machen, sondern ebenso begonnen mir ein Vorbild zu suchen, dem ich nacheifern konnte. Seit ich denken kann, hatte ich immer Vorbilder: Frauen, die ich für ihr Äußeres und ihr Auftreten bewunderte und von denen ich immer gerne etwas auf mich übertragen wollte. Ich suchte mir ein Fitness-Vorbild, an dem ich mich orientieren konnte, von dem ich mir Dinge abschauen konnte und welches mir zeigte, wie ich mit den Hanteln und Stangen umgehe und lerne diese richtig zu nutzen.

Mein Vorbild wurde die damals noch kaum bekannte Sophia Thiel aus München. Niemand kannte sie, doch ich schaute sie mir jeden Abend an. Sie war meine, geheime Heldin und es wurde ein regelrechtes Ritual vor dem Schlafen gehen die Videos mit ihr und ihrem Trainer Ercan anzuschauen. Aufmerksam klebte ich am genauen Wortlaut der beiden, wenn Trainingsübungen gefilmt und dabei erläutert wurden.

Also begann ich, ihre Videos mit Ercan regelrecht zu studieren. Jegliche Trainingsübungen wieder und wieder abzuschauen und die Technik während meiner Workouts anzuwenden und zu verbessern. Ich schaute mir ab, wie Sophia und auch andere fitnessbegeisterte Frauen ihr eigenes Essen einkauften und dieses in den bunten Tupperdosen vorbereiteten.

 

Abends im Bett nach der Arbeit schaute ich Youtube Videos ( mit welchen Videos ich damals begonnen habe, füge ich am Ende meines Blogbeitrages mit Links ein) und bevor ich zum neuen Dienstbeginn am nächsten Tag antrat, begutachtete ich jeden Morgen im Spiegel meine „Form“, machte „Erinnerungsfotos“ und bereitete dann mein Essen vor. Dies waren die ersten Monate, in denen ich begonnen hatte, einen „Fitnesslifestyle zu leben“. Bestandteil hiervon war es natürlich ebenso an der weltgrößten Fitness Messe der FIBO in Köln teilzunehmen. Natürlich bin ich dort hin gefahren, an den Ort, an dem sich alle bekannten Youtuber und Fitnessmenschen treffen mit nur einem Ziel vor Augen: Sophia persönlich kennenzulernen.

Nach diesem Foto hatte die Begegnung mit Sophia für einen riesigen Motivationsschub gesorgt. Nachdem ich sie „Live“ gesehen hatte, wuchs mein Wunsch nach einem solchen Körper noch mehr: gesund, athletisch, muskulös und wunderschön ! Durch meine Ausbildung und Arbeitszeiten im Hotel, habe ich damals oft bis spät Abends gearbeitet. Tagsüber in den Pausen hatte ich mein eigenes, mit Liebe vorbereitetes Essen dabei und mich stets mit Instagram Kanälen und deren Bildern weiter motiviert. Am Abend habe ich in Windeseile meine schwarzen Strumpfhosen gegen meine Fitness-Leggins getauscht und bin voller Elan ab 23:00 Uhr ins Fitness-Studio gefahren.

Z W I S C H E N  „F O O D P R E P“ – U N D  T R A I N I N G

Vor der Arbeit war ich jeden Tag einkaufen und habe mir meine Zutaten für die Zubereitung meiner abgestimmten Ernährung gekauft. Inspiriert von den vielen Videos auf Youtube etc. hatte ich zu den in der Szene bekannten Basics gegriffen und diese dann am Vormittag in meiner kleinen Küche vorgekocht.

Selbstverständlich habe ich alles genaustens abgewogen und mit Hilfe einer Fitness-App getrackt. Jedes Gramm Protein wurde notiert und an die jeweiligen Trainings- oder eben Trainingsfreien Tag angepasst. Meine Makronährstoffe habe ich mir zu dem Zeitpunkt mit Hilfe einer Fitness-Seite im Internet selber errechnet. Die Kohlenhydrate habe ich sehr hoch gesetzt, um schnell aufbauen zu können. Alle Informationen, die ich über die Zeit sammelte, notierte ich mir in einem kleinen Notizbuch. Ich wollte mir meine eigenes Fitness Lexikon erstellen.

Ich war oftmals bis weit nach Mitternacht im Fitness Studio. Keiner schaute komisch, niemand konnte mich ablenken – es war und ist bis heute meine ICH-ZEIT: Alleine trainieren, Ruhe um in sich selbst hineinzuhören, sich zu sortieren und zu fokussieren.

Ich habe knapp ein halbes Jahr lang viel gegessen und viel trainiert. Meine tägliche Kalorienzufuhr lag bei circa 2200 – 2500 Kalorien. An manchen Tagen sogar mehr, denn das viele Training machte mich natürlich dementsprechend hungrig. Das mit der Ernährung klappte schon mal ganz gut, doch mein Körper wollte noch immer nicht so richtig in Form kommen, so wie ich mir das ganz genau vorgestellt hatte. Rückblickend begann hier die Zeit meiner

F I T N E S S F E H L E R

Natürlich war auch ungeduldig und hatte gehofft mit ein paar „Veränderungen“ den Prozess zu unterstützen, so dass ich noch schneller so aussehen kann wie auf dem Motivationsbild von Sophia. Ich habe nun im Nachhinein einige Dinge gemacht, die ich vielleicht besser gelassen hätte, dennoch waren sie als Erfahrungswert hilfreich:

  • keine Trainingspausen (oftmals habe ich 6 Tage hintereinander das Gym besucht)
  • Viel hilft viel? Fehlanzeige!
  • zu viele Supplements (einen Großteil meines Geldes habe ich verschwendet für überteuerte BCAAs, 
  • ein völlig aufgesplitteter Trainingsplan (ein Extra Tag für Nacken und hintere Schulter – NICHT notwendig)
  • zu viel Eiweiß (ich dachte: sicher ist sicher und habe somit deutlich zu viele Extrakalorien aufgenommen)

Z U N A H M E

Wer viel isst und trainiert, der verändert sich. Erste kritische Argumente und Einwände seitens meiner Eltern zogen ein. „Karo, mehr wird das aber nicht?!“, „Wenn man deinen Kopf wegschneidet, siehst du aus wie ein Mann“. Resultat war: ich nahm zu und zwar ordentlich, sodass mir beim Radfahren zur Arbeit meine erste Jacke an den Schultern riss.

Natürlich war mir das Gefühl unangenehm und auch die Kritik prallte nicht ohne Regung an mir ab, doch tief in mir wusste ich, dass ich auf dem richtigen Weg war, denn: ich sah erste Muskeln und das löste ein regelrechtes Glücksgefühl in mir aus, denn als ich die ersten Erfolge im Spiegel sah, spornte es mich noch weiter an. Auch wenn ich an Gewicht zugenommen hatte, war es mir das sozusagen wert, denn:

Ich wurde stark – mental und körperlich.

 

A N G E K O M M E N

Nun war ich also angekommen – im Fitnesslifestyle. Ich hatte gelernt, mich mit regelmäßigen Mahlzeiten aus größten Teils unverarbeiteten Lebensmittel auf meine Trainingseinheiten vorzubereiten und herausgefunden, auf welche Lebensmittel mein Körper besonders gut reagierte. Scheinbar schienen Ernährung und Training ineinanderzugreifen und zu funktionieren.

Ich hatte nie einen Trainingsplan oder eine niedergeschriebene Vorgabe, welche Lebensmittel ich wann einnehmen sollte. Alles hat sich für mich, passend zu mir, durch das eigene Ausprobieren über die Zeit herausgestellt. Ich habe mich über Lebensmittel informiert und mir das Wichtigste, sowie deren Funktionsweise in meinem kleinen Fitness-Lexikon aufgeschrieben.

Das „in Geduld üben“ war anfangs überhaupt nicht mein Ding – ich wolle Muskeln aufbauen und Fett verlieren, einen durchtrainierten Körper genau so, wie ich es auf den Fitnessbildern gesehen hatte. Einen flachen, durchtrainierten Bauch und gleichzeitig straffe Beine und Schultern. Die zeitweilige Ungeduld führte zu diversen Fehlern wie Übertraining und zu viele Supplemente, die ich letzten Endes nie gebraucht hätte. Da hatte ich mich, wie so viele Andere, von Werbung und der Industrie verleiten lassen.

Grundlegend habe ich mir über Monate hinweg Informationen zusammengesammelt, sortiert, ausprobiert und das, was sich für mich richtig anfühlte, beibehalten. Dadurch habe ich mich nicht nur körperlich verändert, sondern vor allem mental, denn ich habe mich durch das viele Ausprobieren, Misserfolge im Wechsel mit Erfolgen intensiv mit mir selbst beschäftigt und mich sozusagen in neuen Bereichen kennengelernt. Da war ich nun, mit meinen ersten Muskeln, meiner Begeisterung für Krafttraining und voller Energie, um mich selbst noch weiter kennenzulernen und herauszufordern.