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Sportfrei – Leichter gesagt als getan?

So erwachte ich an diesem Morgen, voller Mut begab ich mich aus meinem warmen Bett auf Zehenspitzen auf die so kalten Küchenfliesen und noch während dem monotonen Dröhnen meines frisch aufbrühenden Kaffees in meiner liebsten Tasse, schweift mein Blick umher zwischen den kahlen Baumkronen die von lang ersehnten Sonnenstrahlen umtänzelt wurden. Ich fühlte mich gut. Nach einigen Tagen Erkältung und wahrhaft vielen aktionseichen Dingen, die „zwischen den Tagen“ und dem Jahreswechsel anstanden. Denn neben Weihnachtsessen, Karten der Großeltern und Silvestervorbereitungen gesellte sich ein sonst so schnell vergessener Wert zu meinem Alltag: Prioritäten setzen und Gewichten.

Sportfrei – nach dem prüfenden Blick in meinen Kalender weiteten sich meine Pupillen, als ich innerlich bis 14 zählte. Ganze 14 Tage waren vergangen, an denen ich absolut keinen Sport gemacht hatte. Sport ist mein Alltagsbegleiter, mein „Herunterkommen“ und doch hatte ich aufgrund der vergangene zwei Wochen einfach meinen Drang, andere Dinge zu tun und: meinen Körper ruhen zu lassen 

Doch wenn Sport über Jahre hinweg wie ein Schatten egal ob Sonnenschein oder Regen den Alltag begleitet, so heftet sich dieser immer mehr an das eigene tägliche Leben. Wie ein Kirschsaft Fleck, der trotz immer wiederkehrendem Waschen für immer auf der Lieblings Zara Bluse heften bleibt und bei jedem Blick in den Spiegel versucht sich in den Mittelpunkt zu drängen. 

Dieser Blick in den Spiegel – wie oft entpuppt er sich innerhalb von Millisekunden als Prüfend anstatt von lächelnd und zufrieden. Sport ist schön, Sport macht Spaß, Sport mach glücklich – im gesunden Maß. Manchmal fällt es mir aus der Hand und nicht das Maß habe ich in der Hand, sondern es mich selbst. Dann läuft man Kilometer mit Schmerzen, bestraft sich mit ewig langen Cardio Einheiten oder schleppt sich trotz dröhnendem Kopf ins Fitness Studio. 

Doch wie mache ich endlich mal frei. Sportfrei. Stelle meine Sporttasche trotz Überwindung in die schlecht erreichbare Ecke des Kleiderschranks und bleibe an einem Samstag Vormittag mit einer Freundin im Café, fahre im Wald spazieren oder bleibe einfach mal auf meiner Couch mit einem guten Buch? Wie löse ich mich aus eigener Kraft von dem schlechten, fast Schuldgefühl? 

1 Burger macht nicht dick – 1 Workout weniger auch nicht!

Einfachstes Beispiel. Wer mal eine große Pizza ist, wird nicht sofort 5 Kilo schwerer. Und bloß, weil man mal ein Paar Tage keine Hanteln berührt hat, bedeutet es nicht, dass gleich der hart erarbeitete Po verschwindet. 

Make Memories

Wann schwelgen wir hauptsächlich in Erinnerungen? Doch gerade jetzt zum Ende eines Jahres. Ganz spontan: woran erinnere ich mich? Es sind die Abende mit meiner besten Freundin, laut lachend bei einer großen Pizza in der L´Osteria. Die Momente, kurz vor einem Date. Die Abende mit Schaumbad und Kerzenschein an einem verschneiten Freitag. Es sind nicht die Tage, an denen ich mich mit halber Kraft doch noch irgendwie ins Fitness Studio geschleppt habe.

Gefahr des falschen Rausches

Das gewonnene Gefühl von Sport kann sein: Glück, Freude, Liebe, Leichtigkeit. Dopamin schenkt uns diese Art Lebensfreude. Wer sich nicht nur an die Marathon Distanzen, sondern auch Sport Sucht heranläuft, spürt schon bald regelrechte Entzugssympthome wie: Nervösität oder Magenschmerzen.

Beschenke dich & Siehe das Positive

Eine Sportpause bedeutet nicht, dass du schwach bist. „Es nicht schaffst“, sondern es ist eine Fürsorge für den eigenen Körper. Sobald du spürst, dass die Motivation schwindet und du mit letzter Kraft die Treppen zur Umkleider hinauf kletterst, solltest du nicht nur den Hashtag #selbstliebe benutzten, sondern dieses Gefühl auch anwenden. Eine Pause ist eine Wohltat für deine Muskulatur. Dein gesamter Körper kann nach und nach durchatmen. Beschenke ihn, mit warmen Bädern, eine schönen neuen Bodylotion, gesundem Essen und einer Runde Telefonieren mit der besten Freundin im kuscheligen Bett.

Erfolg braucht Pausen

Früher bin ich 6 Mal die Woche zum Sport gegangen. Weil ich dachte, das ist wie mit einer Haarkur: Viel hilft viel. Das Gegenteil war der Fall. Frustration und meine nie endende Suche nach den ersten Muskeln. Um Muskelreize zu wohl geformten Beinen und straffen Armen zu verarbeiten braucht der Körper Zeit und Ruhe. Regeneration kann aktiv, als auch passiv sein. Eine Wechselwirkung aus beidem baut dir dein Fundament auf. Ergänze dein Auslaufen, Dehnen und Ernährung mit Massagen und Schlaf. Sport schwächt den Körper, klingt paradox, denn eigentlich möchte ich ja stärker werden, doch jegliche Belastung für den Organismus muss verarbeitet und auskuriert werden.

Sport ist kein Kampf

Okay, Boxen ist kämpfen, doch nüchtern betrachtet, ist Sport kein erbitterter Kampf um den perfekten Körper. Was ist Sport wirklich für dich?

Gratwanderung zwischen Leidenschaft und Sucht

 

So kramte ich meine Sporttasche aus meiner Kommode hervor und das Gefühl meines SportBHs erfüllte mich mit Freude. Ein leichter Herzklopfen, lange hatte ich es nicht wirklich wahrgenommen, verhindert durch zu viele Eindrücke und Gedanken. Federnde Schritte in meinen Laufschuhen und ja, ich wusste, es lag nicht nur an der klaren Luft, die mir meinen verschlafenen Zopf auf dem Gesicht wehte, sondern mein Platz, den ich innerlich geschaffen hatte. Platz für mich, um klarer zu sehen, um erholt zu sein. Wach und Bewusst … Sport ist eine Lebenseinstellung, ja! Aber es ist doch kein starres Muster, in welches ich mich getrieben von Schaufensterpuppen und dem Training der Anderen hineinfügen muss.

Es ist kein Plan, keine Zahl, keine direkt messbare Größe, sondern: Sport ist MEIN Zugang, zu neuen Ideen, Emotionen und letztlich zu mir selbst. Dieser Zugang, egal wo und wie ich ihn mal hier und da finde, öffnet nicht nur Türen zu mir selbst, sondern auch zu meiner Umgebung. Starke Gedanken in einem gesunden, starken Körper. 

 

3 Replies to “Sportfrei – Leichter gesagt als getan?”

  1. Vielen lieben Dank für deine tollen Worte! Es ist so wahr und doch so schwer! Es ist eine Leidenschaft, die man nur schwer „loslassen“ will obwohl man sie wachsen lässt indem man es im gewissen Maße macht.

    1. Liebe Cathi,

      vielen Dank für deine Worte und deine so positive Reaktion. Ich freue mich sehr, dass dir der Beitrag so gefällt und ich hoffe, ich konnte dich mit einem Lächeln beeinflussen.

      Herzlichste Grüße

      Karolin

  2. Liebe Karolin,

    es tut so gut, dass du solche Gedanken mit uns teilst! Ich steigere mich jeden Tag in den Gedanken Sport machen zu „müssen“ und kann tatsächlich schwer essen an einem Pausentag…es ist beruhigend zu lesen, dass ich damit nicht alleine bin und dass man das überwinden kann. Danke dir!<3

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