Dieser Morgen setzte mich noch mit geschlossenen Augen, mein Körper völlig verworren in meiner Bettdecke, unter Druck. 07:30 müssste es sein und die ersten Menschen waren wahrscheinlich schon mit ihrem Workout durch – während ich den 4. Tag infolge grübelte, ob ich nun zum Sport gehen solle oder nicht. 

Ohne wirkliches Ziel im „Trott des alltäglichen Tuns“ machte ich mich also funktionierend mit Sport-Tasche aus den Weg, um hauptsache irgendwas zu tun. Mich dem Strom anzupassen. Obwohl ich wusste, so recht stimmig fühlte es sich nicht an.

Hitziger Schwall aus der überfüllten Buslinie. Ich wusste schon warum ich nicht mehr von 9-18 Uhr im Büro arbeitete. Schon Morgens im Bus meine frisch gebügelte Bluse durch Stress und schwüle, veratmete Luft verschwitzte. Kaum ein Lächeln auf diesem engen Raum, dafür strahlende Handy-Displays.

Alster Hamburg

Leere Gassen der Innenstadt, sonnige Blitze, die über die Binnenalster fliegen und sich in den Nebenstraßen der Grandhotels verfangen.Ich ging ich links statt rechts und steuerte auf den Coffee Shop an der Straßenecke zu. Entschloss, ganz im spanischen Stil, erst mal einen Café von lecke zu trinken. Wow, Karo was passierte hier. Kurz vor der Bestellung:

Scheiß auf die Kalorien. Ein großer Kaffee mit meiner geliebten Hafermilch. Erst mal meinen Platz in der direkten Morgen-Sonne gefunden spürte ich:

Genau das Richtige. In mich hineinhorchen. Ich hörte einfach mal auf „zu machen“.

Cafe in Hamburg

Also ließ ich es zu. (Einfach mal klingt hier wieder so hoppla die hopp – aber um Neues zu wagen und Ängst du verlieren ist es nach meiner Erfahrung das Mittel) Ließ mich treiben. Ein Schritt raus aus dieser Hektig und begann, zu beobachten. Dahinzudriften. Menschen mit Handy am Ohr. Zügig gehend, wahrscheinlich fremdgesteuert zu einem Ort, an dem die von Chef und Co. erwartet werden und nun nicht, wie ich diesen wundervollen Moment des Seins genossen, um in die Klarheit kommen zu realisieren, wie schön das Innehalten ist.

In mich hineinzuhorchen, tat verdammt gut. 

Was geht da vor sich? Was reift in meinem Herzen, meiner Seele?

Und so komme ich in diesem Moment zu folgendem Entschluss:

Ich finde das ist doch mal „vorausschauendes Denken“ nicht nur zur Schwelle von : Ich betäube mich nun und ziehe das Workout durch, lenke mich ab von meinen möglichen Alltagssorgen oder Existenz-Ängsten, um mir zu beweisen wie „Taff“ ich doch bin. 

Was man viel mehr machen sollte ist: in den Moment der Schwäche wirklich einmal rein zu gehen. Zulassen. In Ruhe zu kommen und dies nicht als Einknicken zu erleben, sondern als kreative, nährende Schwerelosigkeit.

In dem Moment, als ich diesen Schluck der Hafermilch-Filterkaffee so sehr genoss wie ein Festmahl wurde mir mit dem nächsten Windstoß klar:

Ich bräuchte keine neuen Konsum-Artikel wie Lippenstifte in Luxuskaufhäusern oder 300 EUR Sneaker von meinem hart erarbeiteten Geld der letzten Monate, sondern genau diesen unbezahlbaren Moment. An einem Ort zu sitzen, in welchem ich die Zeit mitgestalte, mich in ihr sonne, fallen lasse, mit ihr tanze, spiele und ihr nicht hinterherlaufe, um sie unter Druck zu jagen.

#karolinsmoment

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