Es gab eine Zeit, da war ich mit allen Menschen um mich herum in einer Beziehung. Das Wohl der Anderen war mit mein größter Wunsch und meine Handlungen während meiner Tagesabläufe griffen so ineinander, dass es den Anderen gut ging. Manchmal besser als mir. Ja, es gab eine Zeit, da war ich mit allen Menschen in einer Beziehung – außer: mit mir selbst.

Gemerkt habe ich es nicht unmittelbar, denn mein Machen und Tun gepaart mit den tausenden Gedanken, ob „das so richtig ist“, „was die Anderen davon erhalten“, „ob ich den Anderen vor den Kopf stoße“ schaukelten sich von Tag zu Tag, Monat zu Monat gegenseitig immer höher, dass es rückblickend dazu führte, dass wenn die Anderen glücklich waren, war ich es auch.

War ich es?

Wobei, nein eigentlich nicht, denn umso mehr sich die raren Momente der Erkenntnis aneinander reihten und ich spürte, dass mein Geben kein Nehmen erhielt, kam mein Gedankenrad immer öfter ins Hadern. Natürlich erfreuten sich die Anderen an meinen Bemühungen und Aufwänden, doch schütze mich meine Fürsorge nicht vor Enttäuschungen.

Erst die Trennung und räumliche Abgrenzung – damals mit dem Schritt in eine andere Stadt in ein neues Leben- zeigt mir spürbar: eine Person war stets präsent. Eine Person hatte alle bisherigen Höhen und Tiefen miterlebt und all´ die Gedankengänge interessiert mitverfolgt:

Ich selbst.

 

E R K E N N T N I S

Viele Menschen verpassen den Moment dieser Erkenntnis, dieses Bewusstseins. Die Tatsache zu erkennen, grundlegend basierend für alle weiteren sozialen Kontakte, eine Beziehung zu sich selbst führen. Manche stürzen sich von einer Beziehung in die nächste oder sind ständig umgeben von anderen Menschen, weil „sie nicht alleine sein können“. Doch alleine sein führt dazu, dass man sich manchmal selber hört, die eigenen Gedanken, Wünsche aber auch Ängst und Sorgen intensiv spürt.

Eine Beziehung mit sich selber führen bedeutet auch, genau diese aufkriechenden unschönen Gefühle anzunehmen und für sich herauszufinden, mit diesen zukünftig umzugehen und sie zu verarbeiten.

Eine Beziehung mit sich selbst führen ist im ersten Schritt ein weiterer Lernprozess. Und ja, da ist es wieder das Wort, welches Ausdauer, Zeit und Geduld benötigt: Prozess. Doch schon während dieses Prozesses spürt man, wie schön er ist und welche tollen Orte er einem selbst aufzeigt.

Wenn man sich für diesen Moment der Erkenntnis öffnet, trotz Angst oder Skepsis, beginnt ein wahrhaft toller Lauf voller interessanter, lustiger, trauriger und glücklicher Momente. Eine Beziehung zu sich selbst ist in gewisser Weise auch eine Entscheidung. Ein „Ja“ zu sich selbst mit dem Ziel sich selber aufrichtig zu lieben und toll zu finden.

A U S L E B E N

Nachdem man sich auf diesen für manch einen „waghalsigen“ Prozess eingelassen hat, spürt man recht schnell, welche Ecken und Nieschen man von sich selbst so noch nie kannte. Die Zeit, in der man sich intensiv auf sich konzentriert – sei es bei einem Lauf, einem guten Buch oder einem Bad – sind in der Summe die Momente, in denen sich das Gedankenkarussel um die eigenen Bedürfnisse dreht. Und das ist in einer ausgeglichenen Balance gut so!

Und was hast du am Samstag gemacht? – Ich war mit mir selbst verabredet.

Mit dem Beginn einer, nein DER Beziehung zu sich selbst, verändern sich Sichtweisen, Ängste werden minimiert, neue Wege durchdacht und mit gefestigtem Mut kann man dann seine Gedanken und Wünsche nach Außen tragen. Wenn man möchte. Hin zur Familie, Freunden oder dem Partner. Das Ausleben, das „Stolz sein“ auf eine immer fester werdende Bindung zu sich selbst ermöglicht also in hektischen, emotionsvollen oder scheinbar aussichtslosen Momenten nicht den Kopf zu verlieren sondern: ein fester Ankerpunkt. Ein Zufluchtsort, eine Möglichkeit eine Sicherheit, die dir selbst das Gefühl gibt:

Nimm dich zurück, hier kannst du dich sortieren, du kannst weinen und dich freuen und pflegen. Egal was kommt: dieser Ort, dieses Gefühl, diese Geborgenheit ist beständig.

P F L E G E N

Natürlich sollte dein Ort, dein Ich, deine Beziehung zu dir selbst – wie auch die Bindung zu den Anderen Menschen in deinem Leben – geachtet und gepflegt werden, um sie aufrecht zu erhalten.

Ein Geben und Nehmen.

Es gibt so viele verschiedene kleine Rituale und Dinge, mit denen man die Beziehung zu sich selbst intensiv spürt und somit nachhaltig pflegen wird. Das kann sein:

  • eine Tasse des weltbesten YogiTea´s im Kuschelpullover an einem Sonntag Nachmittag
  • ein ausgiebiger Friseur Besuch an einem Samstag Vormittag
  • bei einer Bahnfahrt auch mal 1.Klasse zu buchen – einfach so
  • anstatt für einen Kino Besuch das Geld in ein edles Stück Fisch/Fleisch zu investieren und sich etwas Leckeres zu kochen
  • sich sein Bett prinzessinnenhaft mit Kissen & Decken so herzurichten, wie in einem edlen 5 Sterne Hotel
  • in entscheidenden Momenten „Ja“ aber auch „Nein“ zu sagen
  • 4 Euro für frische Erdbeeren zu bezahlen
  • neben dem grauen Fußweg den so strahlenden, roten Radweg zu benutzen (kurz 🙂 )
  • sich selber schöne Blumen zu schenken
  • auf dem eigenen Balkon lesen
  • ein großer Becher Eis und das eigene Bett
  • das neu ergatterte Armband im Geschäft hübsch einpacken zu lassen und sich zu Hause selbst zu überreichen
  • sich im Spiegel in die Augen ansehen und nicht wegschauen, sondern: sich anlächeln aus Freude und Stolz
  • und so, so vieles mehr …

Du glaubst nicht, wie großartig es sein kann ein ganzes Wochenende lang auch mal mit sich selbt zu verbringen und gleich alle der genannten Punkt auszuprobieren. Es macht nicht nur Freude und ist Balsam für die Seele, sondern ermöglicht eine tolle Umgebung, um nachzudenken. Gedankengänge entfalten zu lassen und sich selber kennezulernen.

 

A U S S T R A H L E N

Eine Beziehung mit sich selbst zu erkennen und diese tagtäglich zu pflegen ist keine Selbstbeweihräucherung, sondern ein gesundes Stück Selbstliebe. Eine gute und innige Beziehung zu sich selbst, bedeutet nicht, auf andere Menschen nicht einzugehen oder deren Bedürfnisse außer Acht zu lassen.

Es bedeutet sich selber kennenzulernen, zu erfahren, wie man in sich hineinhorcht und die Bindung zu sich selbst mit Ritualen und Bewusstsein zu pflegen. Ein gesundes Verhältnis zu finden, zwischen Fürsorge für geliebte „Andere“ und für sich selbst. Eine Art Balance. Einklang. Dies nimmt man mit nach „draußen“ unter Menschen, in Freundschaften, die eigene Familie und neue Beziehungen.Ein gefestigter Weg sozusagen.

Ich glaube daran, dass eine gute Beziehung zu sich selbst nicht nur dazu führt, dass man sich selber lesen lernt und heraushören kann, was einen selbst antreibt, sondern man nach Findung dieses Einklanges genau diesen auch ausstrahlt. Dabei denke ich nicht an Überheblichkeit oder Egozentrik, sondern an Dinge wie Stil. Ruhe. Charisma. Zufriedenheit.

Die Beziehung zu dir selbst bildet gemeinsam mit einem gesunden, athletischen Körper dein stärkstes Fundament. Egal wo du bist, dein Ort der Zuflucht. Ein Ort, an welchem du trotz tobendem Lärm um dich herum alleine sein kannst, möchtest und darfst. Das Fundament erbaut sich während deinem Prozess der Selbstfindung. Stein auf Stein. Steine aus Wut, Entthäuschung und Trauer. Steine aus Glücksmomenten, Zuversicht und Visionen.

Eine gute Beziehung zu sich selber kann man ausstrahlen und Menschen damit anziehen. Sie hilft dir, deinen Wert als Mensch zu erkennen und beizubehalten. Sie kann dich schützen vor ungerechten Behandlungen und zugleich dabei unterstützen die Menschen in deinem Leben zu erhalten, die deinen Wert erkennen. Sie gibt dir  Zuversicht, nimmt Ängste, schafft Mut, bietet Energie – all das: in dir.

Auch das hat etwas mit Fitness zu tun. Die Stärke erwecken sich selbst zu lieben und sich genau so wie die beste Freundin zu behandeln. Jeder verdient die gleiche Liebe, die er anderen schenkt.

 

PS:

Ich hoffe ich konnte dir mit meinem neuen Beitrag einen Anstoß geben, eine Begeisterung für eine Beziehung mit sich selbst. Sie wird dir helfen auch deine Verbindungen zu anderen Menschen und geliebten Personen aus neuen Blickwinkeln zu sehen. Ein gesunder Körper, der mit guter Ernährung ,Finess und: Pflege der eigenen Gedanken, des eigenen ICHs immer wieder geformt, verändert oder gestärkt wird, bildet deine Gesamtheit – von Innen sowie von Außen.

 

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