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Frei machen: „ungesundes Essen“ zulassen

Es war nach Tagen des Regens ein wundervoller Samstag Abend und noch in den Baumspitzen des gegenüberliegenden Park spiegelte sich die Abendsonne und blinzelte regelrecht durch die kahlen Äste der Birkenbäume. Trockenes Laub rauschte, es klang wie ein Meer direkt vor meinem Fenster. Meine Küchentür knarrte, ein kühler Windstoß wehte über meine Zehen.

Ich genoss den Moment – fühlte Freiheit & Gelassenheit

In meinem weißen Lieblingshirt band ich mein lockiges Haar zu einem lockeren Zopf und noch während ich mir mein Wasserglas eingoss, lauschte ich dem zahlreichen Vogel Gezwitscher, welches durch die Stichwege des Parks schalte. Erste Frühlingserinnerungen in meinem Kopf.

Eigentlich wollte ich mich mit meinem neuen Buch auf die Couch legen, bei offenem Fenster den kühlen Wind in meinen Haaren spüren und dabei meine Füße unter meine cremefarbene Wolldecke kuscheln. Genau danach stand mir der Sinn. Aber mein eingetrampelter Gedankengang wollte etwas anderes: 

Ich schaffte es, mich mit meiner neu gekauften Lieblingszeitschrift in mein mit Decken belagertes Bett zurückzuziehen, doch schon bei Seite 3 driftete ich ab und ertappte mich dabei, wie ich bereits den morgigen Tag ähnlich wie ein Tetris Spiel zusammenbaute. „Morgen muss ich zum Training – ich war schon 2 Tage nicht“. Morgens oder Abend? Und was esse ich dann am Abend? So glitt mir meine Seite 3 aus den Zeigefindern und ich spürte, wie mich in meiner Geborgenheit Unzufriedenheit immer mehr einnahm. 

Ich war gefangen. Gefangen zwischen den Gedanken Klötzen, die ich händeringend versuchte jeden Tag aufs Neue zusammenzufügen, so dass ich in der Endposition allem gerecht wurde: Gesunde Ernährung, regelmäßiges Training, ansprechende Optik. Problem: die Gedanken Klötze des früher genannten Fitness Lifestyles waren großer, als die von „Genuss“, „Lebensqualität“ und „persönlichen, sozialen Wünschen“. 

Ich fühlte mich unter Druck gesetzt

Doch es gab keinen „Schuldigen“. Der Auslöser: ganz alleine ich, viel mehr diese ständigen Gedankenkreise, die mich innerlich einnahmen und schlussendlich dazu führten: ich plante meine Abläufe immer, einfach immer mit dem Hintergrund Sport. 

Es war der perfekte Zeitpunkt für mein kürzlich gekauftes Ben&Jerrys Cinnamon Buns. Ich hatte alle meine Aufgaben erledigt, hatte meine Gesichtsmaske einwirken lassen und nicht zuletzt: liebte ich dieses Eis. Doch anstatt es mir zu öffnen geriet ich in folgende situation: zum Einen hatte ich heute noch gar keinen Sport gemacht. Also nicht genügen Kalorien verbrannt, um mir „sowas zu gönnen“ zum Anderen malte ich mir aus, wie ich am nächsten Morgen mit Sicherheit zunehmen würde, denn ich hatte weder trainiert noch mir das Eis „verdient“. Doch musste ich mir jeglichen Genuss verdienen?

Ich diskutierte nicht nur innerlich mit mir selbst, sondern auch gegen mich.

Lange Zeit hatte ich mir diese Dinge wie Chips, Eis und Co. verboten. Bin immer ausgewichen mit „Ersatzprodukten“. Reiswaffeln mit BBQ Geschmack statt die früher so geliebte Pringles Sorte. Ich hatte Lust auf Pancakes, doch so „Richtige“ mit weißem Mehl und vielleicht ein wenig Schokosauce. Oder mal wieder dünne, knusprige Pommes, so wie früher in meiner Kindheit vor dem TV mit meiner Lieblingssendung. Gesunde Alternativen sind und können lecker sein, doch über die Monate hinweg wurde nicht nur die Distanz dazu größer, sondern auch meine Angst. Ich hatte Angst solche Produkte zu essen. Weil sie nach meiner Auffassung und der, die ich täglich über verschiedene Kanäle vorgelebt bekam nicht zu Sport passten. 

 

Alle für mich als „ungesund“ deklarierten Produkte waren für mich automatisch Gegenteil von Lebensqualität. Doch vielleicht hatte ich mich mit dieser Auffassung nicht nur völligem Druck ausgesetzt, sondern auch verrannt. In Essanfällen, Angst vor Essen und Angst vor „es nicht Richtig machen“.

Immer wieder durch das Nadelöhr und doch nochmal zum Glück nur die Maiswaffeln gegessen anstatt „schwach“ zu werden und ein Eis zu kaufen. Manchmal gab mir diese „Stärke“ Durchzuhalten Bestätigung, doch im gleichen Augenblick frage ich mich: was hat mein Leben mit „Durchhalten“ zu tun? Was hat Sport mit „Durchhalten“ zu tun? Wollte ich nicht einfach nur frei und glücklich sein und in meinem Leben hauptsächlich die Dinge tun, die Freude bereiten?

Ich wollte verdammt nochmal diese neuen Chips probieren, eine Pizza bestellen und : mich dafür nicht gedanklich selbst bestrafen. Der Weg ist und war steinig. Vergleiche mit Anderen, schlechtes Gewissen, Blähbauch und Angst vor Zunehmen standen mir im Weg. Doch in den letzten Wochen schaffte ich es, mich was diese Richtung des Lebens angeht ein wenig umzuorientieren

 

Während meiner Zeit in Malaga gemeinsam mit Triumph habe ich einige Schlüsselmomente erlebt. Ich habe mir zunächst riesigen Druck gemacht anhand der Anforderungen mit einem perfekten Körper anzureisen. Die Tage zuvor habe ich mir alles verboten, um möglichst perfekt zu sein. Doch als ich dann dort auf neue, so wunderbare Frauen traft beeindruckte mich nicht, wer besser oder „fitter“ aussah, sondern ich war fasziniert davon, wie selbstsicher jede Einzelne in ihrer Gesamtheit war.

Wie machen andere Frauen das?

Danke an Tammy für dein Statement 

Vergleich

Meine Figur, als ich mir alle „schlechten Sachen“ verboten habe:

Meine Figur jetzt, wenn ich mir weniger Gedanken mache. Bei täglich 2.000 Kalorien und mehr. Ab und zu Schokolade, Eis, endlich die Lieblings Chips probiert und und und:

Ich möchte wieder unbeschwerter essen. Das bedeutet nicht, dass ich nun täglich „Junk Food“ esse, sondern mich einfach wieder mehr Einlasse. Einlasse darauf, mich anders wahrzunehmen – so schwer es manchmal fällt – glaube ich, es ist wie mit Muckis Leine: ich habe große Angst, dass er wegläuft und nicht zurück kommt wenn ich ihn laufen lasse und diese Schwelle die Leine einfach fallen zu lassen ist immer mit Herzklopfen verbunden. Doch ich übe mich darin, meine Unsicherheit nicht auszustrahlen, aufrecht zu stehen und darauf zu vertrauen, dass meine Ausstrahlung mich in der Gesamtheit erfüllt. Mucki kommt, auch wenn er manchmal ganz schön weit weg ist und ich ihn nicht sehe, zurück. Von selbst. Ich mache die Erfahrung jeden Tag ein wenig mehr. Genau das sollte man wohl auch machen, um sich ein wenig mehr von vermeidlichen Fitness Regeln zu lösen: So schwer es fällt, auch mal loszulassen, ein Stück weit die Kontrolle zu verlieren und in diesem schwerelosen, unkontrollierbaren Moment zu lernen, dass man eigentlich zukunftsorientiert nicht verliert, sondern dazu gewinnt.

4 Replies to “Frei machen: „ungesundes Essen“ zulassen”

  1. Also wie immer ein toller Beitrag!
    Tja, ich habe die Erfahrung gemacht, dass eigentlich nur meine Lebenserfahrung mir hilft, mich nicht so unter Druck zu setzen. Ich weiss, was ich geschafft habe und ich weiss, was ich bin, kann und wert bin. Social media ist nur Vergnuegen, Inspiration, aber sicher kein Vergleichsdruck fuer mich. Ich bin der Meinung, dass man erst bei sich angekommen ist, wenn man sich nicht mehr vergleicht mit anderen. Ich bin nicht besser, nicht schlechter, ich bin einfach ich. Social media gepaart mit Unerfahrenheit und Unsicherheit ist ein gefaehrliches Pflaster. Um aber wirkliches Selbstvertrauen zu erlangen ( nicht nur den Schein erwecken zu wollen) braucht es Lebenserfahrung, positive und negative. Gerade negative Erfahrungen setzten deine Perspektiven ins richtige Licht. Da hast du dann einfach nicht mehr die Zeit um dich staendig unter Druck zu setzen. Lebenserfahrung = Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein = innere Ruhe und Gelassenheit mit sich selbst und seinem Leben
    Dir und Mucki einen tollen Sonntag!!!

  2. Toller Beitrag, meine Liebe! Ich danke Dir dafür! ♡

    1. Liebste Jasmin,

      wie schön von dir zu lesen und DANKE, dass du dir die Zeit genommen hast, den Beitrag zu lesen. Ich freue mich unheimlich darüber und wünsche mir, dich damit positiv inspirieren zu dürfen.

      Hoffentlich sehen wir uns beim nächsten Event.

      Alles Liebe

  3. Liebe Karo, danke für deine wunderbaren Worte. Wirklich, jedes Wort was und wie du es schreibst könnten meine Sein. Meine Gedanken, mein Tun,… Ich kann genau nachvollziehen was du schreibst und bin auch auf dem Weg da raus! Ich bin so dankbar dafür, dass du deine Erfahrungen und Gedanken teilst, weil es mir persönlich oft schwer fällt, es überhaupt in Worte zu fassen. Du hilfst mir wahnsinnig damit und ich denke mir immer wenn ich einen neuen Beitrag von dir gelesen haben…“Wahnsinn, genau so ist es – ich würde auch gerne schon so weit sein wie du…“ Aber ich schaffe das und bin echt guter Dinge und auf einem guten Weg! Ich wünsch dir auch noch ganz viel Kraft und Durchhaltevermögen, dass du es weiterhin so gut hin bekommst und nach vorne blickst! Ich hoffe dass wir beide und natürlich auch allen denen es ähnlich geht aus dem Tunnel mit Licht ins komplett FREIE, UNBESCHWERTE, INSPIRIERENDE, UNSER LEBEN schaffen.

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