Vor wenigen Tagen saß ich in der U1 in Richtung Norderstedt und zwischen den Haltestellen Wartenau und Ritterstraße stieg, wie es in Hamburg und anderen Großstädten sehr oft passiert, ein Obdachloser in unseren Wagon, um nach Geld oder Lebensmittel zu fragen. Oft ist es so, dass sie sich über die vielen Köpfe hinweg vorstellen und von ihrer Lebenssituation erzählen. Die meisten Köpfe bleiben gesenkt auf Tageszeitungen und Handydisplays. Diese Begegnung an diesem Nachmittag war ein wenig anders …

Auch er stellte sich vor, erzählte von seiner derzeitigen Lebenssituation, doch dann begann er von seinen so manchmal scheinbar „eingeübten“ Zeilen abzuweichen. „Meine Oma sagte immer, hast du etwas bist du etwas. Hast du nichts, bist du nichts. Ich bin so tief gefallen, ich habe nicht einmal, woran ich mich auch nur festhalten kann.“ und dann sagte er die Worte, die mich bis ins Mark trafen:

„Ich kann nicht mehr, da muss jemand kommen und mich retten. „

Mit zitternden Lippen setzte er sich zu mir in das Abteil – und begann fürchterlich zu weinen. Das Weinen war nicht gespielt sondern verzweifelt, müde, ausgelaugt. Es war echt. Jungfernstieg, ich musste raus und mit dem lauten Rauschen der UBahn am überfüllten Bahnsteig voller Wusel und Hektik verschwand ich in der Menschenmenge und er  in den dunklen Bahnschacht.

Mich ließ diese Begegnung den Rest des Tages trotz des so schönen blauen Himmel über Hamburg nicht mehr los, denn auch wenn sie überall zu jeder Sekunde stattfindet, erinnerten mich die Worte, die den Obdachlosen in Tränen ausbrechen ließen, ein Stück weit auch an meine dunkelsten Stunden.

„Ich kann nicht mehr, da muss jemand kommen und mich retten.“ auch das flüsterte ich damals unter Tränen und heißen Wangen vor lauter Emotionen, die unter meiner Oberfläche brodelten und nicht wussten woher sie kamen und wohin sie gehörten.

Ich weiß noch immer, wie das war, in Panik anzukämpfen, zu versuchen die Kontrolle über sich zu bewahren, es nicht wahrhaben zu wollen – doch all die Gedanken, die im eigenen Kopf hin und her schießen, die Gefühle, die plötzlich alle durcheinander schwirren. Heiß und Kalt. Lachen oder weinen? Was fühle ich? Ich fühle nichts. Wer bin ich? Wo bin ich?

Diese Hilfslosigkeit inmitten dem Chaos tief in sich selbst. Dieser Moment, in dem alles zu zerfallen droht, er zerfließt dir, wie Sand in deinen Händen – und du kannst ihn nicht aufhalten.

Du musst dich geschlagen geben

Und dann wird es um dich herum ganz stil und diese Gefühl, dieses Gefühl des Chaos, der Hilflosigkeit und dem kläglichen Versuch alles zusammenzuhalten – Es bricht aus dir heraus. So fühlt er sich also an, dieser Punkt, an dem man gefallen ist. Alleine. Nicht weiter weiß und denkt der Weg in zu Besserung ist zu Ende. Das wars. Ich habe nichts und niemanden mehr – wann kommt meine Rettung?

Nicht nur die Begegnung ließ mich nachdenklich verbleiben, sondern auch die Frage danach, ob man wirklich gerettet werden kann?

Kommt da jemand, der das eigene Leben in seine Hand nimmt und alles verändert?  Jemand, der Probleme für einen selbst löst und uns ein trinkfertiges Glas voller Glück auf den Tisch stellt ?

Ich denke, nein ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht so ist. Ich beobachte Menschen und ihre Geschichten und ich sehe, wie oft sie ihre so kostbare Zeit verstreichen lassen. Stunden, Tage und Jahre, in denen sie dahin vegetieren und darauf warten, dass jemand vorbei kommt und plötzlich all´ das bringt was man sich wünscht und alles Schlechte in etwas Gutes umwandelt.

Glücklich sein ist kein Zufall. Es ist eine Kunst. Man hofft nicht auf Glück, sondern man plant es.

Ich habe auch mal auf Rettung gewartet und damit wertvolle Zeit verloren, die nie wieder zurückkommt. Was ich damit sagen möchte ist, dass der Weg zu Positivem, zu dir und zu Glück Aufstehen ist. Entscheidungen zu treffen. Veränderungen zuzulassen und Pläne zu schmieden. Aus eigenen Stücken und dabei helfende Hände natürlich wahrzunehmen und zu ergreifen. Das kann Hilfe, Motivation oder Inspiration sein.

Ja, dieser Moment des Aufpralls ist schwer und noch schwieriger ist es, sich selber einzugestehen, dass man am Boden liegt. Doch es wird niemand kommen und alle Wunden heilen und Unmut in Mut umwandeln. Es wird Menschen geben, die dir Hilfestellungen anbieten, dich inspirieren oder durch ihre Anwesenheit oder Worte neuen Mut geben, doch letzten Endes bist alleine Du dafür verantwortlich, dich diesen Dingen zuzuwenden, sie aufzunehmen und in dir selbst in Stärke umzuwandeln. Aus eigenen Stücken.

Dein Leben verändert sich zu deiner eigenen Definition von Glück im ersten Schritt aus dir heraus und dann gemeinsam mit Anderen. Warte nicht auf Rettung, sondern stehe auf und realisiere, dass deine Gedanken dein Instrument sind und kreiere DEIN Lied, deine Melodie, seine Pausen,deinen Weg. Du hast niemals „Nichts“, du hast immer „Dich selbst“ und Du weißt … deine Zeit ist JETZT.

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