Seit Tagen spürte ich, wie mich gewisse Gedankenkreise immer wieder in ihre Bahnen nicht nur lockten, sondern vor allem zogen und es mir fast ausschließlich über lange Alster Läufe gelang, Abstand zu ihnen zu gewinnen und sie einzutauschen. Wie so oft in den letzten Wochen drehten sich Bautürme aus bunten Gedankenklötzen um einen Bereich, in welchem ich mich tagtäglich bewege und mitwirke: Social Media. 

Motivation oder Manipulation?

Seit 4 Jahren führe ich nun ein Instagram Profil – vor 2 Jahren entwickelte ich den Wunsch, mit meiner hauptsächlich kreativen Schreibweise, sowie Gedankenanstößen einen Traum von Leidenschaft und Selbstständigkeit zu leben. Vielmehr genau das zu machen, was ich möchte. In meinem Kopf entwickelte ich Ideen, daraus entstanden Projekte – zusammen mit großen Firmen, die ich seit Jahren bewunderte. Es funktionierte, ich konnte Leidenschaften tief in mir wahrhaftig machen.

Hauptsteckenpferd meines Instagram Accounts @karolinsmoment, als auch meines Blog ist neben Inspiration Motivation. Und das ist das Wort, welches mit seit Tagen meine Stirn runzeln lässt. Eine tiefe Gedankenfalte gefüllt mit Vergleichen, ein wenig Unmut und Zweifeln. 

Denn Motivation ist eines der Motive, welches zahlreiche Accounts verfolgen, was ich großartig finde. Doch eine Art Bewegung darin finde ich wahrhaft gruselig:

Ich habe den Eindruck, dass die Grenzen immer schwammiger werden. Dass einiges an Motivation heute unter dem Schlagwort Manipulation laufen. 

Vera Birkenbihl sagte einmal: „Bei Manipulation werden nur die Bedürfnisse des Manipulierenden befriedigt, während Bedürfnisse des Manipulierten außer Acht gelassen werden. Letztlich ist der Manipulierende immer zufrieden.“

Und als ich diesen Satz mit meiner goldfarbenen Kaffeetasse in der einen und meinem neu errungenen Buch in der anderen Hand las, so entwich meine Gedankenfalte eines lächelnden „Aha-Momentes“. Denn so fand ich jegliche, so wilde und teils verwirrende Gefühlsregungen der letzten Wochen in diesen 2 Sätzen wieder.

Ohne jemanden anzugreifen, bin ich der Meinung, dass genau dieser Aspekt – vielmehr Vorgang eine Entwicklung in letztlich meiner Arbeit widerspiegelt:

Was ist noch echt? Wo wird Authentizität mit Briefings und bezahlten Werbeanzeigen gekauft?

Schwer zu sagen und herauszufiltern zwischen all´ den vielen bunten Bildern, die ich täglich in meinem News Feed aufgespielt bekomme. Wechselwirkung zwischen großartigen Fotos, die mich begeistern und etwas in mir auslösen und Beiträgen, die mich -negativ belastet- sprachlos machen und teils empören. 

Dass man als -ich schenke diesem Worte keine Begeisterung- Influencer seine Community „beeinflusst“ sagt schon die Titulierung. Doch wo ist hier die Grenze zwischen wahrhaftiger Motivation in Form von herausstechenden Beiträgen, neuen Informationen, Gedankenanstößen und Mehrwert? Diese Gedanken machen mich nervös, denn ich habe ein schlechtes Gefühl bei dem Gedanken, dass online in der Social Media Welt, aber auch im „Echten“ Leben immer mehr Manipulation unter dem Deckmantel Motivation ausgetragen wird. 

Das bedeutet, es geht letztlich nur im die Bedürfnisse der darstellenden Person und nicht um diese der Mitmenschen. Eigene Bedürfnisse wie : Status, Anerkennung, Vergütung werden erfüllt. Welche Auswirkungen dies auf den Betrachter hat, bleibt außer Acht gelassen. 

Eine Kollegin Masha Sedgwick hat es in ihrem erst kürzlich erschienenen Beitrag wunderbar beschrieben: 

Ich habe das Gefühl, dass alles, wofür ich die letzten Jahre gekämpft habe, u.a. für die Ernsthaftigkeit von Influencern mit einer einzigen Sendung hin ist. Ich kämpfe mit wenigen Gleichgesinnten zusammen an einer fast leeren Front. Der Rest ist mit Schminken beschäftigt.

In den letzten Tagen war ich manchmal traurig, manchmal wütend. Auch ich habe zeitweilig das Gefühl in diesen Manipulations-Stängen gefangen zu sein, vielmehr dazu verleitet zu werden, diesen beizutreten. Angebote, die mich Kopfschütteln lassen, die zeigen, dass es um reinen Kommerz geht. Um Verkaufen, um Durchsetzen des eigenen Kopfes ohne Rückblick auf mögliche Auswirkungen auf „Draußen“.

Ist Summe X es wert, meiner jahrelang aufgebauten Gemeinschaft etwas zu vermitteln wohinter ich gar nicht stehe? Sich über Product Placement zu definieren oder zu finanzieren ist der eine Weg, welchen ich auch nicht angreifen möchte. Lediglich darauf aufmerksam machen.

Ich möchte mit diesem Gedankenbeitrag einfach ein wenig reflektiert versuchen zu verdeutlichen:

Eine Vision zu vertreten, diese mit verschiedenen Themengebieten und Firmen -sofern Parallelen vorliegen- zu untermauern ist nicht immer einfach. Manchmal hat man eine fabelhafte Idee und kann diese in gemeinsamer Unterstützung mit letztlich deklarierten Werbeanzeigen in Form eines Geben und Nehmens umsetzen. Die Grenze zwischen: bei sich selbst und einem eigenen „Auftritt“ bleiben und „sich einzustecken was geht“ ist nur schwer zu erkennen und ja, manchmal ärgert es mich, dass flache Inhalte und viel Haut breite Massen motivieren. Oder manipulieren? Es macht mich nachdenklich, dass ein Eindruck entsteht, dass ein Blogger „nur Werbung“ macht. 

Nichtsdestotrotz habe ich soeben beim letzten kalten Kaffee Schluck wieder erneut gespürt, dass ich mit Hilfe von Selbstreflexion, Hinterfragen und : bei mir bleiben glücklich bin. In diesem „Flow“ liebe ich meine Arbeit und ich glaube daran, dass Beständigkeit und „echt sein“ – ohne Highlighter, Bildbearbeitung und 100.000 Followern – sich mit den Werten wie Geduld und Beständigkeit auszahlen wird. 

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3 Comments

  1. Amanda Mai 10, 2018 at 1:26 pm

    Wow, liebe Karo!! Dieser Beitrag trifft es, fasst genau das in Worte, was auch ich seit einiger Zeit über viele Botschaften und Accounts in den Social Media denke.

    Bei der Arbeit war letzte Woche ein Blogger-Event, an dem ich teilnehmen musste…am Ende bin ich mit Tränen in den Augen, Tränen der Trauer und Tränen der Wut, aus dem Raum geflüchtet. Weil zugewachsen geglaubte Narben aufrissen und ich mir bewusst machte, welche Macht diese „Blogger“ mit ihren zum Teil abgemagerten Körpern und den von ihnen selbst laut postulierten Kommentaren über ihre „abnormal fette Figur“ auf viele Menschen ausüben. Und das schauen sich zahlreiche Follower an, fühlen sich dazu ermutigt, ebenso zu werden, einem Ideal nachzueifern, das manchmal vielleicht weder zu sich sich noch zu anderen ehrlich ist. Mich macht das traurig und war in dem Moment zu viel für mich.

    Macht, Manipulation, Beeinflussung…es gibt viele Begriffe, die da hineinspielen. Es ist verrückt, welch tolle Verbindungen und Brücken die Social Media bauen können – und wieviel Schäden sie zugleich in einem Menschen anrichten können.

    Karo, danke für diesen so wichtigen Beitrag, der für mich ein echter Mehrwert ist ?
    Liebe Grüße von Amanda (@glichi)

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  2. Hannah Fühler Mai 17, 2018 at 3:40 pm

    Liebe Karolin,
    nun muß ich doch auch mal ein Kömmentar zu Deinem Text schreiben, zu sehr identifiziere ich mich mit Deinen Worten, mit all dem, was Du über die gesamte Situation und den Richtungswechsel im Bereich Instagram schreibst.
    Und ich muß zugeben, dass auch ich die letzten Wochen, fast schon Monaten, die Orientierung verloren hatte. Fast. Obwohl schon Ü40, habe ich trotzdem immer wieder extrem staunend die Accounts der super jungen, super dünnen Mädels verfolgt, deren Followerzahlen enorm sind – genau wie deren Likes und Kommentare.
    Doch beim genaueren Durchlesen der Kommentare mußte ich immer wieder feststellen, dass es immer nur um die gleichen Dinge ging: DIE mega super Creme, DAS tolle Pulver, DIE perfekte Übung um NOCH knackiger zu sein. Und neiiiiiin, keines der Mädchen hat ein Essproblem, sie trainieren nur richtig.
    Sie präsentieren ihren Körper genau so wie all die Produkte ohne nachzudenken, worum es eigentlich geht. Kein Mehrwert, kein Nutzen steckt mehr dahinter. Es ist vielmehr wie eine Jagd: eine Jagd nach ’noch mehr, noch schöner, noch beliebter (vermeintlich), noch dünner‘.
    Am Ende war ich soweit, dass ich mit jedem Tag, an dem meine Likes nicht über 300 waren, mehr und mehr frustrierter war. Und noch mehr Möglichkeiten ausprobiert habe (mehr Haut zeigen, mal mehr, mal weniger Text, etc.).
    Aber MICH machte das ebenso wenig glücklich und setzt auch auf meine Stirne eine seeeehr tiefe Gedankenfalte, wie Du es erlebt hast.
    Und so habe ich mich, ZUM GLÜCK, gerade noch mit wachem, ehrlichen und gesundem Menschenverstand selbst reflektieren können und habe wieder zurück zu meinem Weg gefunden.
    Auch, wenn die Likes gesunken sind und die Bilder mehr Stoff zeigen ;)))
    Es fühlt sich wieder richtig und gut an. Und mein Anliegen, den Menschen da draußen etwas mitgeben zu können, kann ich endlich wieder leben.

    Danke, liebe Karolin, für Deinen tollen Blogartikel- und toll, dass es Menschen wie Dich gibt, wie uns, die wir die Augen offen halten. Und die Herzen-.

    In diesem Sinne, ich hoffe, bis bald.
    Herzlichste Grüße aus dem Süden.
    Hannah (@hannah_fuehler).

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    1. Karolin Pilz Mai 23, 2018 at 3:20 pm

      Liebe Hannah,

      zunächst mal: ganz herzlichen Dank für deine Nachricht und deine so süßen Worte. Ich hatte einfach das Bedürfnis ein paar Gedanken zu teilen – ohne jemanden anzugreifen. Auslöser war der About You Award weil ich eben der Auffassung bin, dass man hinter den Beiträgen nicht nur Mehrwert, sondern auch Persönlichkeit transportieren sollte. Keiner ist perfekt – auch meine Beiträge sind es nicht bis zu 100 % aber letztlich geht es ja darum, eine Art Vision zu teilen und diese kreativ auszuleben.

      Danke, dass du den Beitrag so positiv auffasst und deine Gefühle mit mir und letztlich uns teilst.

      Alles Liebe für dich und eine feste Umarmung

      Karolin

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