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Schluss jetzt – vom Weg bleiben und Da sein

An diesem Samstag stand ich in der ellenlangen Schlange meines Lieblings Supermarktes und während ich um mich herum in genervte Gesichter blickte und mit meinen völlig vermanschten Stiefeln den voll gepackten Einkaufskorb weiter nach vorne rückte, ertappte ich mich ein weiteres Mal dabei, wie ich in ein Verhaltensmuster abrutschte, welches mich  in den vergangenen Wochen so entkräftet hatte, dass es mir jegliche Energie und soziale Kompetenz gegenüber meinen geliebten Mitmenschen nahm:

Selbst und Ständig. Das bedeutet, immer zu arbeiten. Immer. An einem Sonntag Morgen um 8:00 Uhr, zwischen den beiden Bahn Haltestellen und ganz besonders während dem Warten in der Einkaufsschlange. Da werden Mails beantwortet, WhatsApp Nachrichten gecheckt oder Beitragsideen verfasst. Das sind 5 Minuten, die ich nutzen muss, bevor sie verfliegen und ich meiner „Stämmigkeit“ nicht nachgekommen bin, wohlmöglich nächsten Monat ohne Wohnung da stehe oder meine Leserschaft zurückgeht. 

Ich ließ mein Handy wieder in meine nun neuerdings mit Hundeleckerlies gefüllte Jackentasche gleiten, streifte mir über mein frisch gewaschenes, zum Zopf geflochtenes Haar und traf eine Entscheidung, die ich seit Monaten einfach völlig unbeachtet außer Augen ließ:

Da sein 

Da sein in diesem Moment, da sein für meine persönlichen Bedürfnisse. Da sein, für meine Selbstreflexion und: da sein für meine beste Freundin, die ich seit Wochen scheinbar nur noch dumpf wahrnahm. 

Hatte ich mich selbst missverstanden? 

Hatte ich mich durch das Herangehen Anderer in meiner eigenen Urteilsbildung der Thematik „Selbstständigkeit“ blenden lassen? Was tat ich hier überhaupt und Warum?

Dabei liegt die Einzigartigkeit des Daseins darin, dass jeder seine ganz eigene Bestimmung hat. Meine eigene zu Begreifen, stellte sich in den vergangenen Wochen scheinbar als äußert schwierig dar. 

Wer war hier verantwortlich zu machen? Meine Gedanken oder ich selbst?

Eigentlich wollte ich in meiner jetzigen Gefühlslage einfach nur für einen Augenblick lang alles vergessen. Frei sein und nach dem Moment der Schwerelosigkeit wieder mit klarem Kopf den Durchblick erlangen. Es fiel mir schwer, den Drang nach Freiheit von dem Gefühl des „Aufgebens“ zu differenzieren und letztlich abzugrenzen. Doch erst, als ich den ersten von 2 Tagen zu Hause verbrachte bemerkte ich bei Einbruch der Abenddämmerung, jetzt hier auf meiner Couch ohne Anrufe, Aufgabenliste und andauernde Social Media Präsenz: ich war angekommen, nicht an einem Ziel, sondern an meiner Rast Stelle. Wie eine kleine Lichtung, auf der ich -nur für mich- innehalte. Ohne mich zu rechtfertigen, ohne meine Emotionen mit aller Welt zu teilen oder fremden Leuten hinter Profil Namen daran teilhaben zu lassen. 

So hatte diese Rast das Ziel, mein Leben wieder zu lieben. Wobei vielleicht liebte ich es auch schon die ganze Zeit, doch wie hätte ich dieses Gefühl wahrnehmen können bei dieser Überflut aus Informationen, mit denen ich wild umherjonglierte. Mir wurde bewusst: es sind die Morgende um 7:00 Uhr, wenn das dumpfe Geräusch der Spülmaschine in meiner Küche bei geöffneter Küchentür das Tippen meiner Tastatur begleitet. Wenn ich alleine, noch bevor es draußen hell wird meine Gedanken ausschreiben kann, durch Bücher blättere und ich mich jedes Mal an dem Geräusch des Umherschlagens der Buchseite erfreue. Ich hatte sie vermisst, diese Momente – nur für mich!

Ich möchte meinen Tee trinken und meine Socken ausziehen, wenn mir danach ist. Ich möchte beim Blick in den Spiegel nur mich selbst sehen, nicht den Druck mich herrichten zu müssen. Ich möchte vor dem Abendessen Joghurt löffeln und dabei belanglos Urlaubsorte ansehen. Ich möchte keine Antworten geben und auch keine Fragen stellen. Schon gar nicht an mich selbst. Ich möchte mich fühlen, mich spüren und „mich selbst leben“. Ich möchte sie wegschieben, die negativen Gedanken und auch die Personen und Kreise, die diese mit immer größer werdenden Wellen auf mich steuern lassen. Ich möchte meine Entscheidung „frei zu sein“ weiter leben. Auch wenn ich manchmal Zweifel habe. Angst habe. Schlecht sind diese Gefühle nicht, denn sie haben mich dort hin gebracht, wo ich schon längst hätte sein sollen: an meiner Rast. An meinem Innehalten, nicht aufgeben, sondern Umschauen auf einer der vielen Bergspitzen und trotz großer Vorhaben, den Ausblick zu genießen.

Soeben war ich draußen, ohne Telefon, ohne Schminke oder Schmuck. Mit schmutzigen Händen, den kürzlich geflochtenen Zopf völlig zerzaust mit meinem kleinen Mucki an der Seite. Im Park, zwischen Bäumen mit so schön verflochtenen Ästen, die ich zuvor nie gesehen hatte und noch während ich mich an dieser so banalen Erkenntnis so erfreute, begann es zu schneien. Ich machte kein Foto, keine Story für dich ich erst einen Filter suchen musste. Mucki und ich nahmen den Weg auf und mit jedem Schritt und jeder Schneeflocke mehr, die sich in meiner Jacke niederlegte, konnte ich endlich wieder durchatmen. Ich war weg. Weg aus meinen Mails, Weg aus flackernden Bildern aus dem Leben anderer und endlich da. Also hier, bei mir. Mit mir. zu Hause.

 

PS: Um noch mehr in deine „Lichtung“ eintauchen zu können, empfehle ich dir die Wilfullness App , die dich ganzheitlich dabei unterstützen wird

4 Replies to “Schluss jetzt – vom Weg bleiben und Da sein”

  1. Ein so so schöner Text liebe Karolin! Danke.

    1. Liebste Merle,

      Herzlichen Dank für dein Feedback zu dem Beitrag und deine Zeit ihn zu lesen. Das macht mich glücklich und gibt sehr viel Mut.

      Eine tolle neue Woche für dich.

      deine Karo

  2. Hey Karo, deine Beiträge passen so häufig zu meinen aktuellen Situationen. Ich habe letzte Woche mit meiner Masterarbeit begonnen und war/bin mit dem Neuen überfordert und benötige erstmal die Zeit mich einzuarbeiten. Da habe ich für mich beschlossen, dass ich erstmal in der Realität richtig Präsenz sein muss, und die Instagram-Welt warten muss. Denn in stressigen Zeiten, lenkt es mich einfach zu sehr ab, egal wie inspirierend es auch sein mag. Also danke dafür, dass du deine Gedanken auch auf deinem Blog teilst! Alles Liebe,
    Alicia

    1. Liebste Alicia,

      ich danke dir von Herzen für deine lieben Worte und freue mich so sehr, dass ich dir mit meinen Beiträgen für deinen Lebensweg einen Mehrwert bieten kann. Du bist toll und ich bin so dankbar, dass wir nicht nur online, sondern auch durch die Treffen privat und persönlich verbunden sind.

      Alles Liebe und eine glückliche neue Woche für dich.

      deine Karo

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