Was für ein schwieriger Start – die Koffer waren ausgepackt, meine Sommerkleider im Schrank verhangen und die ersten bunten Lebensmittel erfüllten meine neue Küche mit Leben. Schnell gewöhnte ich mich an die flackernden Markisen der Terrasse, welche im kalten Wind mit den weißen Vorhängen wild umher tobten.

Zugegeben, ich stelle es mir ein wenig einfacher vor „einfach weg zu gehen“, in der Sonne zu leben – welche sich aktuell noch nicht richtig zeigen wollte -, mich selber zu spüren. Eine Auszeit zu nehmen klingt im ersten Moment so unbeschwert, so sehr nach Tag am Meer und keine Sorgen, nach Abenden guten Büchern und einem Glas Rotwein mit guten Gesprächen. 

Wie und Wo finde ich eine Möglichkeit, zu hören was wirklich in mir vorgeht?

Keine Frage, auch das kann eine „Auszeit“ sein. Doch für mich bedeutete Auszeit meine Ruhe zu haben, die ich mir ersehnte und zugleich in den ersten Atemzügen dieser mit plötzlich aufkommenden Zweifeln überfordert war. Es bedeutet, wahrscheinlich noch mehr, alleine zu sein und vor jeglicher Selbstverwirklichung in roten Sommerkleidern viel tiefer zu graben. So tief, dass man sich in manchen Momenten selbst nicht direkt wieder erkennt.

Da gibt es nur 2 Möglichkeiten: zurück ins Bekannte, Bequeme und Angenehme oder sich mit auseinandersetzen. Mit sich selbst.

Dieses Heimweh Gefühl vertrieb mich zu einem langen Mittagsschlaf auf die Couch und als ich erwachte beschloss ich nicht mein Leben, sondern diese teils unangenehme Situation in die Hand zu nehmen, in dem ich aktiv wurde und etwas Vertrautes tat: ich saugte die Wohnung, wischte meinen kleinen Esstisch mit Blick auf das Meer und machte mir bewusst: ich alleine hatte es mir zu Aufgabe gemacht, mein Fundament in einer unbekannten Umwelt aufzubauen, um anschließend Eudarmonie zu erlangen.

Eudarmonie = Einklang mit sich selbst und dem eigenen Charakter

Viele verstehen nicht, dass vor jeglicher positiven Ausstrahlung, Reinheit mit sich selbst und Selbstverwirklichung kleine Bausteine sind, die es gilt zu pflegen und Stück für Stück aufeinander aufzubauen.

Dazu gehören:

Ich machte mir also deutlich:

um an diesem fremden Ort mit einem guten Gefühl und Positiv bestehen zu können, musste ich meine Grundbedürfnisse befriedigen. Und das tat ich. Ich deckte mich mit frischem Gemüse ein, probierte die ersten spanischen Tomaten und war nun stolze Besitzerin eines Backpapiers für mein Ofengemüse. 

Mit meinem klapprigen Staubsauer, besser als nichts, entfernte ich diese störenden Krümmel auf meinem Boden und auch die Küche glänzte wie neu. Die ersten Sportsachen meines Laufs heute morgen am Strand trockneten auf dem Balkon und mein Bett bezog ich erst jetzt mit frischen Laken und drapierte die Kissen so, wie ich es besonders kunstvoll in meiner Hotelfachausbildung gelernt hatte.

Für diese Grundbedürfnisse und Sicherheit / Geborgenheit brauchte ich fast 2 ganze Tage.

Als ungeduldiger Mensch, der gerne gleich alles mit Perfektionismus überhäuft dauerte es zu lange und zwischen Whatsapp Nachrichten aus der Heimat und Gassi Gängen mit Mucki suchte ich krampfhaft nach etwas, was mich diese Prozesse beschleunigen lies.

Sonst war ich grundsätzlich souverän, doch ich verlor meine Fassung.

Was drängte mich? War es nicht der Sinn der Auszeit, genau das zu haben? Zeit und keine Diskussionen mit mir selbst, sondern Ruhe. Bevor ich mich der bunten Strandcafés und einer Kugel Eis hingab, entschloss ich mich also, die ersten Glücksmomente der erschaffenen Geborgenheit zu genießen. Jetzt, wo ich meine Gefühle mit ein bisschen Nüchternheit verstanden hatte. Mir selbst eingestanden habe, dass das, was ich hier grade tue nicht von ständigem Lächeln und Sonnenschein begleitet ist.  

So wurde mir bewusst, dass dieses Gefühl, welches sich im ersten Moment als Heimweh verstand, wahrscheinlich doch eher das Durchbrechen der Komfortzone ist. Wahrscheinlich sind es diese ersten 2, 3 Schritte auf unbekanntem Terrain während denen man möglicherweise noch in sich selbst schwimmt. 

Ein imaginäres Bild wie ein Fächer, den man aufreißt und dessen noch zusammenklebende Facetten erst eröffnet werden müssen. Durch Begegnungen, durch andere Ansichten und das sich selbst Hineinversetzten dieser. Da stand ich nun, nicht an einer Weggabelung, sondern mit meiner verlassenen Komfort Zone im Rücken und dem schlummern neuer Facetten, die wohl in den nächsten Tagen zwischen salzigen Winden und Sonnenstunden in neuen Farben erleuchteten sollten…

 

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