So erwischte ich mich an diesem Abend, wie ich zu später Stunde plötzlich den unerklärlichen Drang verspürte, eine Designer Handtasche haben zu müssen und klickte mich mit meiner kürzlich aufgetragenen Gesichtsmaske durch die Angebotsseiten. Gefangen zwischen der Frage: bleibe ich bei klassisch Dunkelbau oder wage ich mit einem knalligen Rot ein neues Highlight?

Nein – das war nicht ich.

Was tat ich hier? Ich verschenkte meine so kostbare Zeit mit aktuell umrelevanten Themen und Dingen, die mich von außen her beeinflussten. Wie so vieles in den letzten Monaten. In bunten Bilderwelten verreisen Menschen scheinbar täglich an wunderschöne Orte in traumhaft schönen Kleidern und: mit roten Designer Bags 😉

Es war ein sehr ausschlaggebender Moment, den ich an diesem Abend erlebte und -glücklicherweise- nach wenigen Minuten schnell reflektieren konnte: Ich rannte in den letzten Wochen in einer Art Marathon Gruppe, welche nicht unmittelbar das Ziel hatte, unter vier Stunden zu bleiben, sondern möglichst viel, schnell und aufgrund eigner Stärken zu erreichen.

Mich auf meine Stärken verlassen ist gut. Es zeigt mir, dass ich weiß, wer ich bin und was ich kann. Ist das so? Kennst du das Gefühl, wenn etwas nie genug zu sein scheint? Diese Stunden, Tage und Wochen, an denen man gedanklichen Ziellinien hinterherläuft, angepeitscht durch die eigentlichen Stärken und dann doch nie richtig ankommt, weil ständig eine neue Abzweigung dazwischen kommt oder: ein Anderer an dir vorbeizieht.Der eigene Puls schlägt bis zum Hals, doch bemerken tut man es nicht, da man sich ständig auf etwas fokussiert, was man noch nicht hat. 

Und dann sagt mir jemand, mein Selbstwertgefühl setzt sich unter anderem aus Erfolgsmomenten zusammen ?

 

Ich habe da ein neues Wort entdeckt, welches mich aktuell am Wegesrand des Marathon sitzen lässt und mich vorbeiziehende Wolken und meine so wunderschönes Umgebung bewundern lässt. Mit einer gewissen Gelassenheit und inneren Ruhe:

Selbstmitgefühl

Selbstmitgefühl setzt nämlich an einer anderen Stelle mit einigen offenen Türen an. Offene Türen dahingehend, auch mal verletzlich zu sein oder das Bedürfnis einräumen zu können, nach Hilfe zu fragen. Viele haben seit Kindesalter gelernt, ständig Neues zu vollbringen, abzuliefern oder eben besser zu werden. Schließlich ist es das, was man innerhalb des „Älter Werdens“ macht: Ziele erreichen, Weiterkommen und während dem Sonntagstelefonat mit den Eltern stolz zu berichten, dass man aktuell ganz weit vorne mitspielt. Daraus resultierendes Lob und Anerkennung stärken das Selbstwertgefühl – das ist wichtig und eine Explosion der Glücksgefühle. 

Doch seit meiner Reise nach Malaga reicht mir das nicht mehr. 

Denn zwischen solchen Momenten, die sicherlich auch wichtig sind für die eigene Entwicklung und Positionierung im Leben, gibt es Phasen, in denen habe ich entschieden: auch in Ordnung zu sein, ohne dass ich ständig etwas dafür tun muss. Nicht weil ich zu schwach bin oder nicht mithalten kann, sondern weil ich mich mit dieser liebevollen Haltung zu mir selbst und meinem Umfeld in bestimmten Momenten für etwas anderes entscheide: nämlich Liebe zu mir selbst und dem Leben. Ein Stück weit hat mich diese Ansicht sensibilisiert, denn diese Philosophie des Selbstmitgefühl verkörpert neben Entschleunigung auch die Entscheidung für Dankbarkeit und nicht zuletzt Liebe. 

Selbstmitgefühl entsteht durch äußerliche, als auch innerliche Komponenten.

Äußerliche Komponenten: Seit einiger Zeit notiere ich regelmäßig 10 Dinge, für die ich Dankbar bin. Das kann der Ausblick von meinem Balkon während des morgendlichen Kaffees sein oder die Tatsache, dass ich warm duschen kann. Es hilft mir den Blick dafür zu schärfen, was alles schon vorhanden ist.

Innerliche Komponenten: Schwierige Zeiten machen immer wieder deutlich, wie wichtig Vergebung ist. Manchmal gibt es Auseinandersetzungen mit Freunden oder den eigenen Eltern und man kreist immer wieder um die gleichen, hitzigen „Ärgernisse“. Fehler zu machen ist menschlich. 

Zum Irren und Fehler machen gehört also , eigene Ziele und Prioritäten zu entwickeln, sondern in Konfliktsituationen innehalten zu können, den Anderen in seiner Position zu verstehen und: zu vergeben. Vergebung bedeutet nicht, alles gut zu finden, was der Andere macht, sondern sich grundsätzlich für Liebe zu entscheiden. Als innere Grundeinstellung zu sich selbst und Anderen gegenüber. 

Ich hatte mich also entschieden aus dem Rennen auszusteigen und anstatt der prachtvollen Designer Taschen auf meinem Laptop Bildschirm mich an meiner so hübschen und immer noch für jede Situation perfekten Tasche von Zara zu erfreuen. Auch wenn sie nicht in jeder Situation funktional oder perfekt zum Outfit passt, ist sie in Ordnung. Okay. In allen Facetten gut genug und für mich schön. 

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1 Comment

  1. Alicia September 1, 2018 at 6:12 am

    Guten Morgen Karo! Es ist so schön deine Berichte zu lesen. Und wie toll, dass den dem Kaufimpuls nicht gefolgt bist. Ich habe nun seit zwei Monaten kein instagram mehr und es geht mir besser denn je! Kein vergleichen mehr, kein verpassen von xyz Dingen (wie der roten Handtasche), kein Vorgauckeln von falschen Realitäten. An manchen Tage vermisse ich dennoch die Inspiration, jedoch nur an wenigen. Denn 15h am Tag mit Inspiration überflutet zu werden, war mir dann doch zu viel.

    Deine anderen Beiträge gefallen mir auch sehr gut. Insbesondere deine neue Ausbildung. Da muss ich an meine Mutter denken, die den Heilpraktiker mit Psychotherapie abgeschlossen hat und auch so in ihrer Ausbildung aufging. Dank ihr habe ich viel Neues gelernt, weshalb ich deine Dankbarkeit für die Erfahrung und das Wissen teilen kann 🙂

    Hab ein schönes Wochenende und bis hoffentlich bald!
    Liebe Grüße Alicia

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