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Weg von Muskeln – zurück zum wahren Ich. Mein Rückzug aus dem Kraftsport Teil 1

Viel hilft viel – ich war schon immer ein Fan von: Ganz oder gar nicht. Von ungebremsten Enthusiasmus aus ganzem Herzen. Das ist in einigen Situationen ein wunderbarer Einfluss bei rationalen Entscheidungen, doch führt manchmal auch zu emotionsgeleiteten Wegen, welche die Sicht auf Wesentliches über einige Stufen unbemerkt hinweg tragen und mich selbst gefühlt eine Station zu spät aussteigen lassen.

So war es auch mit meiner Begeisterung für den Kraftsport. Einmal Blut geleckt, war ich wie besessen von täglichem Training, Ernährungsvideos – und Mythen auf YouTube und dem Planen meiner Workouts. 6 Mal die Woche stand das Fitness Studio bei mir auf dem Plan. Ohne wenn und aber früh am Morgen oder nach einer langen Hotel Schicht nachts um 23.30 Uhr. 

Das Training „musste“ sein – es wurde in meinen Tag hineingequetscht koste es, was es wolle.

Anfangs schaffte ich mit meiner neu entfachten, wild lodernden Begeisterung liebend gerne den Platz in meinem Tagesablauf. Doch nicht nur dort. Auch mein Kleiderschrank und meine Küche waren betroffen. Jeanshosen wichen Sport Tights, meine Nudel Packungen wichen Whey und Tupperdosen. Wie stolz ich war auf die ganzen Trophäen: pinke Shaker, Glutamin Tabletten, Handbandagen und und und. Ja, natürlich: es war mein neuer Lebensabschnitt, an dem ich wuchs und er mich glücklich machte. Keine Frage.

Für mich war es normal, meinen Nacken zu trainieren und mich mit Leuten zu umgeben, die die gleiche Leidenschaft teilen. Was auch völlig normal ist. Freundeskreise oder Sport Partner sind Menschengruppen, die man sich aussucht und die durch ihre Verhaltensweisen auf das eigene Verhalten abfärben. Wie sehr man sich hier „bemalen“ lässt, hat man immer selbst in der Hand.

Doch zu der Zeit hatte ich nichts in der Hand. Ich war ein junges Mädchen, auf der Suche nach Anerkennung.

Zugehörigkeit und Muskeln, die vermittelten: keiner kann mir was. Die Farben der Kraftsport Szene waren größer, als die meiner Familie. Jegliche Sorgen meiner Eltern, die die Entwicklung meiner zarten Arme hin zu breiten, muskulären Schultern mitverfolgten, prallten an mir ab. Vielleicht verletzten sie mich auch tief im Innersten, ja. Doch trotz meiner körperlichen Stärke, konnte ich dies zum damaligen Zeitpunkt nicht zugeben.

Mein Leben erstellte sich durch Fitness. Jegliche Tagesabläufe, Verabredungen und Gedanken hefteten sich an den zentralen Punkt : Fitness.  

Ich schreibe bewusste nicht „Fitness Studio“ denn alleine der Ort war es nicht, der mich in diese Spirale lockte, sondern alles, was sich in den letzten 2 Jahren darum herum aufgebaut hatte. Oder sollte ich es aufgebauscht nennen? Supplements, Online Programme, Bikini Fitness Klassen und Co. hatten mir meine vom eingangs beschriebene Leidenschaft von Enthusiasmus völlig verzerrt. 

Und ich merke es nicht. 

Oder ich schaute bewusst weg. Hatte ich mich in etwas verrannt? Nein, all´ die harte Arbeit kann nicht umsonst gewesen sein. Ich beharrte auf meinem Standpunkt. Bis zum Tag, als mir am ersten frühlingshaften Tag die aus dem Keller herausgekramte Lieblings Jacke am Rücken riss. Zu breit war mein Rücken geworden. Im Büro angekommen betrachtete ich mich im Spiegel: mit meinen breiten, muskulösen Armen schien ich in meiner creme-farbenden Sommerbluse völlig deplatziert. Auge in Auge mit mir selbst konnte ich es nicht mehr verdrängen: ich fühlte mich mit den vielen Rundungen an meinem Körper nicht mehr wohl – und zog die Reißleine. Natürlich wieder nach dem Motto: viel hilft viel, ganz oder gar nicht. (daran muss ich noch arbeiten 🙂

Ich brach von heute auf morgen jegliches Krafttraining ab. Die einst geliebten Hanteln waren mein Feind!  Ich betrat das Fitness Studio und fühlte mich plötzlich wie ein Außenseiter. Umso größer mein Abstand zu den Hanteln, umso besser fühlte ich mich. Auf dem Stepper angekommen, klügelte ich mir meinen Plan aus, um 

von dem aufgequollenen, extrem muskulösen Körper Distanz zu gewinnen, ihn wieder umzuformen zu meinem neuen Inspirationsbild einer fitten, sportlichen Frau:

Mir wurde klar: ich musste etwas verändern, um meinen Körper, der nun doch nicht so aussah wie erwartet, meinem persönlichen „Wohlfühlen-Empfinden“ anzupassen. Vorbilder sind immer ein wichtiger und schöner Antreiber und Motivationsquelle, doch war mir in meinen anfänglichen Schritten nicht bewusst, dass die persönliche Genetik in jeglicher Form mitspielt und jeder Frau eine individuelle „Form“ gibt, die dem des Vorbildes abweichen kann. Dieser Aspekt wird durch Instagram Inspirationen und gefälschte Bilder immer wieder zu wenig ernst genommen.

Es funktionierte: ich ergriff neue Wege, öffnete meine Augen und es tat sich etwas. Nicht nur meinen eigenen Horizont hatte ich verändert, vielleicht auch erweitert, sondern auch meine „Hülle“ schmiegte sich immer mehr meinem Empfinden an:

Heute, 4 Lebensjahre später, mehr Erkenntnis und Selbstreflexion habe ich eine Balance gefunden. Noch immer bin ich beeinflusst von „Fitness“, doch ich konnte mir über die Jahre hinweg eine Balance erschaffen. Manchmal gerät sie noch immer aus dem Gleichgewicht, muss sich einpendeln oder verschiebt sich, doch ich glaube, genau das macht es letztlich auch aus. Dass man „seinen“ Platz findet und dabei dennoch flexibel bleibt. Genau dieses Denken auf Ernährung und Training anzuwenden:Ein eigener Platz, eine eigene Balance, die flexibel bleibt hat mich aus meinem damaligen Wahn herausgeholt und mich wieder „Ich werden lassen“. 

Wie ich diese kleine Transformation, die neben meinem Körper hauptsächlich mich in meiner Art zu denken, zu trainieren und mein Umfeld auszusuchen beeinflusst hat, habe ich nochmal zusammengefasst:

Es war die ersten Wochen sehr schwer, mich von den Gewohnheiten und dem „Bekannten“ zu lösen. Besonders das Thema Ernährung war nur stückweise umzustellen. Um letztlich 10 Kg zu verlieren, habe ich in der ersten Zeit nicht auf Kohlenhydrate verzichtet, sie aber im Vergleich zu vorher heruntergeschraubt. Snacks waren viel, viel, viiiiiel Gemüse und keine Whey Shakes mehr. Meine Inspiration für meinen „neuen“Lifestyle war : Sarahs Day

7 Replies to “Weg von Muskeln – zurück zum wahren Ich. Mein Rückzug aus dem Kraftsport Teil 1”

  1. Sehr schön geschrieben und kommt mir auch irgendwie bekannt vor – wobei ich mich noch sozusagen in der Vorphase befinde … ich bin auf den 2. Teil gespannt 🙂

  2. Tolle Worte meine Liebe, genau den selben Weg habe ich im letzten Jahr auch gemacht/gefunden. Es dauert lange bis man selbst merkt/akzeptiert dass dieses Übermass an Sport oder Fitness weder förderlich noch gesund ist. Umsö schöner dass du auch deinen Weg gefunden hast. 🙂

  3. Sehr schöner Artikel. Man sieht dir an, wie wohl du dich damit fühlst 🙂 Ich selbst betreibe sehr gern Krafttraining, bin aber mittlerweile bspw auch vom Whey weg, da es mir einfach zu unnatürlich erscheint, Pulver zu mir zu nehmen.

    LG Nemeryll

  4. Interessanter Beitrag Karo 💗 Danke hierfür. Kann auch ein Lied von singen. Freue mich, wenn wir uns mal wieder sehen.
    Ps.Du siehst heute viel glücklicher aus!
    Liebe Grüße
    Jana (lifting.lilly ;))

    1. Liebste Jana

      Danke für dein Feedback zu dem Beitrag und deine Zeit ihn zu lesen. Freue mich immer wieder bei Instagram und jetzt auch hier so ein positives Feedback von dir zu bekommen. DANKE!

      Alles Liebe

      deine Karo

  5. endlich habe ich geschafft den Text zu lesen! Du kannst sehr STolz auf dich sein. Dieser Schritt aus dem Fitness Wahn in eine Balance, mit der man sich wohl fühlt und vor allem lernt auf seine eigentlichen WÜnsche und Bedürfnisse zu hören, ist ein harter! Und du machst es genau richtig! 🙂 <3

    1. Liebste Jule,

      herzlichen Dank für deinen Kommentar und dein positives bestärken. Ich freue mich sehr, dass ich dich mit meiner Arbeit bestärken und inspirieren darf.

      Eine glückliche neue Woche für dich

      deine Karo

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